Verein Zompopo
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Herzlich Willkommen! 

 

Hier findest du alle Informationen rund um

 

ZOMPOPO,

den Verein zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung in Lateinamerika.

 

Unser aktuelles und erstes Projekt findet von Jänner - April 2015 in Nicaragua statt.

Alle Neuigkeiten dazu gibt es gleich hier als Blog nachzulesen!

Einfach nach unten scrollen und ihr seid schon mitten drin in unserem Abenteuer!

 

Neuigkeiten aus Nicaragua

                                      „We are unstoppable!“

. sagt Conchita Wurst und flirtet verpixelt durch den Computerbildschirm. Ja, so ganz weg von den wichtigen Ereignissen der Weltgeschichte sind wir hier in Nicaragua dann auch wieder nicht. Der Eurovision Song Contest wird natürlich patriotisch gestreamt und die Welt nach der Sorger-Kantwurst-Werbung wieder etwas kleiner und globaler wahrgenommen. Ein kleiner, großer Ameisenhaufen eben. Irgendwo auf diesem Ameisenhaufen findet sich ein Ort mit fast zungenbrecherischem Namen: Alaminkangban de Prinzapolka. Bitte gleich aufschreiben und merken, denn das wird der Ort sein an dem die Zompopos im Jänner 2016 ihr Folgeprojekt starten.

Ja, richtig gelesen, es wird ein Folgeprojekt geben. Das steht jetzt seit gut einer Woche fest, in der ich mit der furchtlosen Betania von Los Pipitos in die Tiefen des RAAN'schen Hinterlands vorgedrungen bin und ich mir ein Bild vom angeblich abgelegensten Municipio (Gemeinde) Nicaraguas machen durfte. Prinzapolka ist der Name vieler Dinge hier: Der zweitgrößte Fluss der Region, ein Fischerdorf an der Mündung des Flusses, sowie das Municipio selbst werden so genannt. Wie erst kürzlich von einigen schlauen Einheimischen entdeckt wurde trägt aber auch ein Immobilien-Konzept für ausländische Investoren diesen Namen. Grundstücke werden unter der Hand erworben und flächendeckende Edelholzrodungen ohne Rücksichtnahme auf kulturelle oder lokale Grundstückrechte durchgeführt. Wie so oft schon während unseres Projektes erwischt mich wieder das eiskalte Erwachen. So sehr man auch das Gefühl hat in dieser Region an einem der letzten Orte der Welt angekommen zu sein, an dem  Menschen noch ein autarkes Leben führen können (oder müssen) und wo man glaubt, noch alle politischen und wirtschaftlichen Schandtaten der Welt hinter sich lassen zu können, dann ist sie wieder da: Diese fiese Nadel der Realität, die meine romantische Seifenblase wieder zum Platzen bringt. Alles ist miteinander verbunden. Das sagen ja auch die hier lebenden Miskitos - während sie unbeirrt ihre Wäsche an genau dem Fluss waschen, dessen Wasser die großen Schiffe der Holztransporter auf ihre Reise in die Welt hinaus begleitet. Was bleibt sind Armut, Arbeitslosigkeit und eine traurige Zukunft für Mensch, Tier und Natur dieses besonderen Ortes. Umso besser für die Politiker in Managua, wenn die Miskitos der Dörfer rund um den Rio Prinzapolka sich nur wenig gegen diese Ungerechtigkeiten erheben. Schließlich verdient sich die Regierung eine goldene Nase dabei und wird weiterhin wenig in Minderheitenrechte, Bildung und Fortschritt der lokalen Bevölkerung investieren. Das einzige Krankenhaus des Bezirks wurde erst vor wenigen Jahren ganze zwei Kilometer außerhalb des Ortskerns gebaut. Nur selten verirrt sich jemand dorthin. Doch Gott sei Dank gibt es Ingrid und Antonia. Seit 5 Monaten arbeiten die beiden als Sozialarbeiterinnen in Prinzapolka und kennen „neustra gente“ - ihre Leute. Sie nehmen uns mit in die Häuser von Aryana, David und Flavio - drei von 174 erfassten Menschen mit Behinderungen im Bezirk. Flavio ist 16 Jahre alt und seit seinem 2. Lebensjahr nie mehr zu einem Arzt gegangen. Sein Kopf ist ungewöhnlich groß, er kann nicht laufen und seit einem Jahr ist auch sein rechter Arm gelähmt. Wir tippen auf Hydrozephalie und wünschen uns sehnlichst, dass doch ein Neurologe vom Himmel fallen möge. Tut er nicht, aber dafür eine ganze Brigade an amerikanischen Ärzten, die gerade für eine Woche in Puerto sind. Kurzum wird Flavio mitsamt Oma und Tante eingepackt und zum Rundum-Check nach Puerto Cabezas mitgenommen. Und sieht so auch zum ersten Mal in seinem Leben das Meer.

Betania und ich marschieren ein letztes Mal lachend die einzige Straße der Hauptstadt Alamikangban hinunter in Richtung Bushaltestelle. Ein „Aisabe“ hier, ein „ Oyy, Zompopo!“ dort – man kennt das seltsame weiß-schwarze Duo in Gelb gehüllt mittlerweile schon gut. Logisch, sind wir doch 7 Tage lang durch den gesamten Ort gelatscht, auf der Suche nach Menschen mit Behinderung und nach Kontaktpersonen vor Ort, die unser Projekt hier mitgestalten wollen. Das Ergebnis ist durchwegs positiv. Zur Projektplanung im Gemeindehaus kamen mehr als 30 Leute und viele von ihnen wollen auch an unserem Kurs teilnehmen. Halten wird den Kurs diesmal eine tolle Truppe ehemaliger TeilnehmerInnen rund um Betania, die unsere Train-the-Trainer-Ausbildung in Puerto Cabezas absolviert haben. Da wir dank eurer Verstärkung noch einiges an Spenden rein bekommen haben, kann der Verein Zompopo  Transport-, Verpflegungs-, sowie die gesamten Kurskosten übernehmen. Die Vortragenden, die alle aus der RAAN stammen, machen allesamt freiwillig mit. An dieser Stelle darf ichals Leiterin unseres kleinen Pilotprojekts wirklich etwas gerührt und stolz auf alle Zompopos sein. So ist es doch das höchste, schönste und nachhaltigste Ziel eines jeden Projekts in der Entwicklungszusammenarbeit, wenn man begeisterte, vertrauensvolle Leute vor Ort findet, die die gleichen Ideen und Träume teilen und sich auch umsetzen.

Wir hatten wie so oft natürlich auch viel Glück (oder, wie so mancher Bekannter munkelt, einfach nur eine große Klappe und den nötigen Charme um einige Entscheidungsträger von der Wichtigkeit unseres Vorhabens zu überzeugen :)), denn die Unterkunft und der Kursraum in Alamikangban wird uns von der NGO Accion Medica Cristiana für die gesamte Kurszeit von 5 Wochen kostenlos zur Verfügung gestellt – was unsere Schatzmeisterin Ute endlich wieder beruhigt schlafen lässt. :) Aber was hier eingespart wird, wird dort wieder investiert; das erlaubt uns nämlich auch fünf motivierte Leute aus den Dörfern am Ufer des Flusses zum Kurs einzuladen und für ihre Verpflegung und Transportkosten währen der 5 Wochen in Alamikangban aufzukommen.

Und wie ihr euch schon vorstellen könnt, läuft das alles so gut, dass ich selbst am liebsten dableiben würde um mitzuhelfen. Um die vielen Dörfer Rio arriba undabajo kennen zu lernen, um mit Betania die Refresqueria Oney unsicher zu machen und den Geschichten der Miskitos bei einem  Glas frischen Ananassaft zu lauschen, um Flavios völlig verlotterten Rollstuhl zu reparieren und um die vielen besonderen Freundschaften, die wir hier knüpfen durften, nicht verebben zu lassen.

 

Aber Hey! Wer Conchita Wurst streamen kann, der kriegt auch Fais (Facebook für Nicas :) und Voxak (Whatsapp) rein. Amigos hasta el Stromausfall – siempre!

 

Ihr lieben Amigos, Familien und Leser daheim,

Danke, dass ihr uns auf unserer abenteuerlichen Reise begleitet und uns bei unserem Vorhaben immer wieder unterstützt und gut zugeredet habt.

Jetzt geben wir euch mal eine Verschnaufpause bis zum Jänner 2016. Dann geht’s weiter mit Berichten von Betania, Milena, Rildia und Co – direkt aus Alamikangban, nachzulesen hier, auf unserem Blog. We are unstoppable (zumindest bist nächsten Jänner :))

 

Hasta Luego,

eure Ameise Lilli

                                       It`s the final countdown!

Der Countdown läuft. Wir starten in die letzte Kurswoche in Waspam. 

Das Feuer, das bei den KursteilnehmerInnen bereits am Freitag bei der Diskussion über die Rechte von Menschen mit Behinderung in Nicaragua entfacht wurde, ließ die Gruppe voller Tatendrang in den Montag starten. Der erste Kurstag wurde genutzt, um Ideen zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Behinderung in Waspam zu sammeln. Die Resultate waren beachtlich! In Kleingruppen wurden die Ideen in Form eines offiziellen Schreibens an das Bildungsministerium und den Gemeinderat niedergeschrieben. Es wurden konkrete Vorschläge zur Umsetzung einer Heilpädagogischen Schule in Waspam verfasst, das Bildungsministerium darauf hingewiesen, die LehrerInnnen über das Gesetz 763 aufzuklären, das sie dazu verpflichtet, auch Kinder mit Behinderung in ihre Klassen zu integrieren, uvm. Außerdem wurde der Vorschlag einer Anlaufstelle in Waspam für Menschen mit Behinderung bzw. deren Betreuungspersonen eingebracht. Bisher gibt es nämlich noch keine Organisation oder öffentliche Beratungsstelle, an die sich die Betroffenen wenden können, um Hilfe bei der Arztsuche oder finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten durch das Gesundheitsministerium zu erhalten. 

Nachdem die Briefe mit Stempel und hochgestochenen Floskeln verfeinert wurden - die in Nicaragua notwendig sind, um bei den Autoritäten überhaupt Beachtung zu finden - kam die Überlegung auf, was die kleine Gruppe, die in unserem Kurs zusammengekommen ist, zur Situationsverbesserung der Betroffenen beitragen kann.

„Sensibilisierung der Gesellschaft“ war dabei das Motto. Bewusstseinsbildung der Bevölkerung ist notwendig, damit Menschen mit Behinderung nicht mehr von ihren Familien versteckt, nicht mehr diskriminiert werden und das Recht auf Bildung und Arbeit wahrnehmen können. „Wir müssen auf die Straße und den Leuten von Waspam zeigen: Wir sind auch noch da! Wir haben dieselben Rechte wie ihr und wir verstecken uns nicht mehr!“ Dem Vorschlag von Jessaily wurde voller Euphorie zugestimmt und kurzerhand wurde für den übernächsten Tag eine friedliche Demonstration geplant. Wir Zompopos nahmen dabei eher eine Beobachterrolle ein, verfolgten das Treiben erstaunt und erfreuten uns mit welchem Enthusiasmus die Gruppe das Vorhaben in Angriff nahm.

Während im Kurs die eifrigen Vorbereitungsarbeiten nur durch die Zertifikatsübergabe zum Abschluss des absolvierten Kurses unterbrochen werden konnten, ging das Projekt „Solibeth“ und die Odyssee der Ärztesuche und Krankenhausbesuche in die zweite Runde. Zur Erinnerung: Das Mädchen war bereits am Mittwoch der vorigen Woche von einem fernen Dörfchen des Rio Coco mit Mutter und Bruder angereist. Den Spendenrollstuhl, der von Matthias angepasst wurde, hatte Solibeth bereits erhalten und die vom Pädiater angeordneten Untersuchungen waren endlich nach vielen anstengenden Krankenhausbesuchen beisammen. Was fehlte war eigentlich „nur“ noch die abschließende Visite mit dem Arzt. Doch wieder mal von der Willkür einer einzelnen Person abhängig, was für Nicaragua Normalität ist, schien dieser letzte notwendige Schritt schier unmöglich. Die Mutter von Solibeth meinte dazu: „Einmal hab ich ganze zwei Wochen auf eine Visite mit einer Ärztin gewartet, so läuft es hier." Obwohl wir Zompopos in den letzten Monaten bestimmt eine ganze Portion an Gelassenheit gewonnen haben, gibt es Dinge, an die wir uns nicht gewöhnen können. Nachdem wir zum x-ten Mal vom Arzt vertröstet wurden, gaben wir zunächst unsere Unzufriedenheit beim Direktor des Krankenhauses Kund und verließen dann kopfschüttelnd sein Büro.

Mit viel Glück konnten wir letztlich eine Visite bei einem kubanischen Kinderarzt bekommen, der uns in seinem Privathaus empfing und Solibeth für gesund befand und die Deformitäten der Arme und Beine auf ein genetisches Syndrom zurückführte, mit dem das Mädchen wohl leben muss. Trotzdem erleichtert darüber, dass Solibeth an keiner progressiven Erkrankung leidet, konnte die Familie nach einer ganze Woche in Waspam zurück in ihr Dorf reisen.

Am Dienstag arbeiteten alle noch fleißig an der Fertigstellung der letzten Reparaturen der Rollstühle von Glen, Erica und Kevin, um den Dreien die Teilnahme an der bevorstehenden Demo zu ermöglichen. Außerdem wurde von Melanie ein Trainingsprogramm für das Gehtraining mit dem neuen, von Matthias gebautem Gehbock für Richi zusammengestellt. Der sensible Bursche, der aus Scham im Rollstuhl zu sitzen seit 4 Jahren das Haus nicht mehr verlassen hat, war uns allen in den letzten Wochen ans Herz gewachsen. Mit viel Einfühlungsvermögen hat vor allem unsere Ameise Corinna sein Vertrauen gewonnen, sodass es uns alle besonders freute, dass er bereit war, mit uns auf die Straße zu ziehen und für seine Rechte zu kämpfen.

Als wir am nächsten Tag zur Demo im Stadtpark eintrafen, hatte sich eine Gruppe bereits versammelt und war schon beschäftigt mit Plakate schreiben , Luftballons aufblasen und dem Aufbau der Filmleinwand für das abschließende Fest im Park. Lorenzo und Gimenes. Die zwei „Professores“ nahmen das Zepter der Zeremonie in die Hand und dirigierten durch den Nachmittag. Plötzlich hieß es „Aufstellung“, Rollstuhlfahrer nach vorne, Zompopos hier her, Megaphon an!" und los ging die friedliche Demonstration, die über die Hauptstraße von Waspam bis zum Stadtpark führte. Laufend wurden Botschaften und Aufrufe an die Bevölkerung in Miskito ausgerufen, Bonbons durch die Luft geschossen und eine immer größere Traube von Menschen folgte uns. Nahtlos ging das Programm im Park durch Ansprachen von verschiedene Funktionäre der Stadt, Betroffene und Vorstehende von diversen Organisationen über. Ein Highlight war der Programmpunkt „Show de los Zompopos“, zu der wir beglückt wurden. Mit einem abgewandelten Haka-War-Dance, den wir in den letzten Monaten immer wieder zur eigenen Gruppenmotivation einsetzten, sorgten wir für viel Gelächter! Nachdem die Technik trotz Einsatz vieler geschickter Ameisenfüßchen versagte, mussten wir das geplante „open air cinema“ ausfallen lassen. Doch da die großen Boxen schon mal aufgebaut waren, wurde - ganz nach Nica Geschmack - Latinomusik auf Maximalvolumen aufgedreht und getanzt bis die Sonne unterging.

Die gelungene Veranstaltung war für die Betroffenen, die Organisatoren dieser Veranstaltung und für uns ein Schlüsselmoment. Das übergeordnete Ziel, dass die TeilnehmerInnen unseres Kurses auch nach Beendigung des Projekts zur Sensibilisierung der Gesellschaft für Menschen mit Behinderung beitragen, behielten wir stets im Hinterkopf. Eine Demo, das Mittel des Volkes sich gegen Ungerechtigkeiten zu aufzulehnen, in Nicaragua! Ja mit so viel Eigeninitiative hatten wir wirklich nicht gerechnet!

 

Einen schöneren Abschluss unserer Projektzeit hätten wir uns wohl kaum ausmalen können!

Die letzten Tage nutzen wir noch um die Situationsanalyse in Prinzapolka zu planen. Unsere fleißigste Ameise Lilli kann nämlich nicht genug bekommen und wird das Städtchen in der südlichen RAAN für ein eventuelles Nachfolgeprojekt ausforschen. Wenn alles läuft wie geplant, werden dort noch in diesem Jahr einige unserer KursabsolventInnen aus Puerto Cabezas im Namen „ZOMPOPO“ einen Kurs halten.

Die restliche Zeit durchstöbern wir Lonley Planets und versuchen unsere Rucksäcke auf 15kg zu schmälern, da uns nun allen aufregende Wochen in verschiedensten Teilen Zentralamerikas bevorstehen!

 

Es war uns ein Vergnügen unsere Erlebnisse mit euch fleißigen LeserInnen zu teilen! Danke an alle die uns unterstützt haben! Adios, hay save de los Zompopos!

 

Eure Ameise, Ruth

                                       Coca Cola ist nicht gleich Wasser

Fernsehen nicht die ideale Erziehungsmethode. Milch bei Schluckstörung nicht ausreichend. Kekse zählen nicht zu den Grundnahrungsmitteln. Mit dem richtigen Trick oder Hilfsmittel kann man sich auch einhändig selbstständig anziehen.

....zu diesen Erkenntnisse führten wir unsere TeilnehmerInnen diese Woche beim Thema „Vida diaria“- Aktivitäten des täglichen Lebens. Da unsere TeilnehmerInnen unseren Versuch einer gesunden Jause mit selbst mitgebrachten Zuckersackerln verschmähten, starteten wir diese Woche erwartungsvoll mit der Ernährungspyramide. Ähnlich kreativ wie in Puerto Cabezas zeigten sich die Ergebnisse.


Obwohl die TeilnehmerInnen bereits einiges über eine ausgewogene Ernährung wussten, war Aufklärungsarbeit notwendig. So konnte geklärt werden, dass sich Zucker als Energieträger nicht nur in Süßigkeiten befindet, Bohnen und Tortillas nicht die einzigen kohlenhydrathaltigen Stoffe sind, kochen auch ohne Öl möglich ist und pures Wasser ohne Geschmacksverstärker nur Gewöhnungssache ist und warme Getränke bei Hitze zwar gut tun, Ron caliente aber nicht unbedingt dazu gehört! Nachdem das Thema gesunde Ernährung ausgiebig behandelt wurde, widmeten wir uns am darauf folgenden Tag der Essbegleitung. In Selbsterfahrungen wurden die TeilnehmerInnen aufgefordert, sich gegenseitig zu füttern (u.a. mit verbundenen Augen) und im Liegen ein Glas Wasser zu trinken. Anschließend wurden die TeilnehmerInnen zur Reflexion angeregt.Wie fühlt es sich an, wenn mir ohne Vorwarnung Essen eingegeben wird? Wenn ich nicht weiß, was ich zu essen bekomme? Wenn ich den Bissen noch nicht geschluckt habe und schon der nächste folgt? Wenn mein Kopf nach hinten überstreckt ist und dadurch das Schlucken fast unmöglich ist? Nach angekleckerten T-Shirts, den Wasserfontänen und Hustenanfällen schien uns die Sensibilisierung für dieses Thema erreicht und  im nächsten Schritt behandelten wir die Techniken und diverse Hilfsmittel zur optimalen Nahrungsverabreichung.


Die aktive Mitarbeit blieb auch bei den Themen Körperhygiene sowie An- und Auskleiden bestehen. Unerwartet war die Diskussion die sich ergab, wenn mal das Klopapier ausgeht bzw. welches ohnehin kaum vorhanden ist. Wir Ameisen lernten: Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Cuidado nur bei den Blättern auf deren Unterseite sich gemeine Widerhaken verstecken....dies kann böse enden!

Beim Programmpunkt „Kommunikation“ kam unsere sonst eher wortkarge Lilli zum Zug und battelte sich mit den KursteilnehmerInnen in angeregten Diskussionen. Unser Schwerpunkt lag dabei in der Wichtigkeit, jedem, unabhängig von seiner Einschränkung, Kommunikation zu ermöglichen. Mit dem selben Elan wurden die Rechte der Menschen mit Behinderung besprochen. Es wurde wieder mal ins Bewusstsein gerufen, dass Gesetze zwar vorhanden sind, diese allein jedoch  nicht ausreichend sind, um die Situation der Betroffenen zu verändern. Einigkeit herrschte, dass sich sowohl politisch als auch gesellschaftlich noch viel verändern muss, jeder einzelne jedoch, allen voran unsere TeilnehmerInnen, ein Stück dazu beitragen kann.


Nach einer intensiven Kurswoche widmeten wir uns am Wochenende der (Work)- Life Balance und verbrachten zwei Tage in Bismuna. „Von dort aus sieht man den Arsch der Welt“ hat Anette, eine seit 22 Jahren in Nicaragua lebende Deutsche über das Küstendörfchen gesagt...und sie hat Recht! Einen sehr schönen Arsch wohl gemerkt :) Über die Lagune tuckerten wir durch Mangrovenwälder bis zum Meer, schlürften frisch gefangene wilde Austern, fingen Schrimps mit unseren Händen und Füßen und angelten unser Abendessen mit Schnur und Haken. Nach reichlich Sonne und holpriger Rückfahrt auf der Ladefläche des Pick-Ups hätten Schrimps und Fisch bestimmt geschmeckt. Der Geruch von vergorenem Fisch trieb uns letztendlich erneut in die Pizzeria von nebenan. 

                                      la vida diaria -  Waspam

Coca Cola ist nicht gleich Wasser. Fernsehen nicht die ideale Erziehungsmethode. Milch bei Schluckstörung nicht ausreichend. Kekse zählen nicht zu den Grundnahrungsmitteln. Mit dem richtigen Trick oder Hilfsmittel kann man sich auch einhändig selbstständig anziehen. ...zu diesen Erkenntnisse führten wir unsere TeilnehmerInnen diese Woche beim Thema „Vida diaria“- Aktivitäten des täglichen Lebens. 

Da unsere TeilnehmerInnen unseren Versuch einer gesunden Jause mit selbst mitgebrachten Zuckersackerln verschmähten, starteten wir diese Woche erwartungsvoll mit der Ernährungspyramide. Ähnlich kreativ wie in Puerto Cabezas zeigten sich die Ergebnisse. Obwohl die TeilnehmerInnen bereits einiges über eine ausgewogene Ernährung wussten, war Aufklärungsarbeit notwendig. So konnte geklärt werden, dass sich Zucker als Energieträger nicht nur in Süßigkeiten befindet, Bohnen und Tortillas nicht die einzigen kohlenhydrathaltigen Stoffe sind, kochen auch ohne Öl möglich ist und pures Wasser ohne Geschmacksverstärker nur Gewöhnungssache ist und warme Getränke bei Hitze zwar gut tun, Ron caliente aber nicht unbedingt dazu gehört!

Nachdem das Thema gesunde Ernährung ausgiebig behandelt wurde, widmeten wir uns am darauf folgenden Tag der Essbegleitung. In Selbsterfahrungen wurden die TeilnehmerInnen aufgefordert, sich gegenseitig zu füttern (u.a. mit verbundenen Augen) und im Liegen ein Glas Wasser zu trinken. Anschließend wurden die TeilnehmerInnen zur Reflexion angeregt. Wie fühlt es sich an wenn mir ohne Vorwarnung Essen eingegeben wird? Wenn ich nicht weiß was ich zu essen bekomme? Wenn ich den Bissen noch nicht geschluckt habe und schon der nächste folgt? Wenn mein Kopf nach hinten überstreckt ist und dadurch das Schlucken fast unmöglich ist? Nach angekleckerten T-Shirts, den Wasserfontänen und Hustenanfällen schien uns die Sensibilisierung für dieses Thema erreicht und im nächsten Schritt behandelten wir die Techniken und die richtigen Hilfsmittel für die optimale Nahrungsverabreichung. 

Die aktive Mitarbeit blieb auch bei den Themen Körperhygiene sowie An- und Auskleiden bestehen. Unerwartet war die Diskussion die sich ergab, wenn mal das Klopapier ausgeht bzw. welches ohnehin kaum vorhanden ist. Wir Ameisen lernten: Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Cuidado nur bei den Blättern auf deren Unterseite sich gemeine Widerhaken verstecken....dies kann böse enden!

Beim Programmpunkt „Kommunikation“ kam unsere sonst eher wortkarge Lilli zum Zug und battelte sich mit den KursteilnehmerInnen in angeregten Diskussionen. Unser Schwerpunkt lag dabei in der Wichtigkeit, jedem, unabhängig von seiner Einschränkung, Kommunikation zu ermöglichen. Mit demselben Elan wurden die Rechte der Menschen mit Behinderung besprochen. Es wurde wieder mal ins Bewusstsein gerufen, dass Gesetze zwar vorhanden sind, diese allein jedoch nicht ausreichend sind, um die Situation der Betroffenen zu verändern. Einigkeit herrschte, dass sich sowohl politisch als auch gesellschaftlich noch viel verändern muss, jeder einzelne jedoch, allen voran unsere TeilnehmerInnen, ein Stück dazu beitragen kann.

Nach einer intensiven Kurswoche widmeten wir uns am Wochenende der Work-Life Balance und verbrachten zwei Tage in Bismuna. „Von dort aus sieht man den Arsch der Welt“ hat Anette, eine seit 22 Jahren in Nicaragua lebende Deutsche über das Küstendörfchen gesagt...und sie hat Recht! Einen sehr schönen Arsch wohl gemerkt :) Über die Lagune tuckerten wir durch Mangrovenwälder bis zum Meer, lernten einen örtlichen Drogenbaron kennen, der erwartungsvoll nach einer bescheidenen 50 kg Lieferung Ausschau hielt, schlürften frisch gefangene wilde Austern, fingen Schrimps mit unseren Händen und Füßen und angelten unser Abendessen mit Schnur und Haken. Nach reichlich Sonne und holpriger Rückfahrt auf der Ladefläche des Pick-Ups hätten Schrimps und Fisch bestimmt geschmeckt. Der Geruch von vergorenem Fisch trieb uns letztendlich erneut in die Pizzeria von nebenan. 

                          Ameisen, die Kinder und ihre Hilfsmittel

Nach der aufregenden Urlaubswoche starten wir am Montagmorgen von Puerto Cabezas nach Waspam. Mit im Gepäck ist ein Spendenrollstuhl von der David Feller Foundation, welchen wir glücklicherweise in Waspam vergeben dürfen. Dafür brechen 3 Ameisen am Dienstag in die Comunidades auf – Ziel ist Saupuka. Ein kleines Dörfchen mitten im Grünen erreichbar über die öffentlichen Rutas*. (* Rutas, las: öffentliches Verkehrsmittel in den hinterletzten Ortschaften des Rio Coco; meist alte, ausgemusterte, vor dem Verfall gerettete Lastwagen ohne Fenster. Wer denkt, dass die alten Ami-Busse das gefährlichste sind, was einem auf den staubigen Straßen von Waspam begegnen kann, dann, ja, habt ihr hier den Beweis: es geht noch schlimmer. Aber keine Sorge, liebe besorgten Mamas daheim vor den Bildschirmen, hier sitzen wir nicht am Dach, sondern brav hinten unter der Plane J.

Im Kurs lernt unsere buntgemischte Teilnehmergruppe in dieser Woche alles über Medios Auxilliares y Accesibilidad. So können die Kursteilnehmer sich Wissen über Hilfsmittel zur Fortbewegung, Wohnraumadaptierung sowie Rollstuhlanpassung, Wartung, Reparatur aber auch richtiges Sitzen im Rollstuhl aneignen. Während diverser Selbsterfahrungsübungen werden Schwierigkeiten deutlich und gleich nach adäquaten Lösungen gesucht. Das Wissen wird eingeübt und praktisch angewendet. Vor allem unsere TeilnehmerInnen, welche selbst auch betroffen sind, bringen hilfreiche Ideen und grandiose Tricks ein. Neben Glen, sind auch Richi und Erika mittendrin statt nur dabei und stellen sich zur Verfügung um die Kursinhalte praktisch umzusetzen und an Fallbeispielen üben zu können. Der Aufwand der Kinder wird unsererseits belohnt mit lustigen Spielen, gemeinsamem Zeichnen, Flieger und Drachenbau und Versuchen, die Sprache Miskito zu erlernen. Besonders Richi, ein 16-jähriger schüchterner Junge mit Polyarthritis hat es uns angetan. Er wohnt direkt neben unserem Kursort und sitzt seit vier Jahren im Rollstuhl. Eine geballte Ladung an Pubertät, Krankheit und Unaufgeklärtheit der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderung haben dazu geführt, dass Richi nicht mehr zur Schule geht und sich in seinem Haus verkriecht. Langsam taut er auf, lacht über Corinnas klägliche Versuche Erika davon abzuhalten, ihr Mittagessen zu stehlen und möchte mit Meli wieder erlernen kurze Strecken zu gehen. Nicht immer einfach aber auf jeden Fall mit viel Spaß verbunden werden auch in der Gruppe Bewegungsübungen angeleitet und in die Aktivitäten integriert. Und damit ihr nicht denkt, dass unsere eigene Bewegung hier zu kurz kommt (auch wenn wir bei 40 Grad im Schatten schon wie beim Triathlon schwitzen), gibt’s hier ein kleines Beweisfoto, dass wir dank unserer Import-Yoga-Lehrerin aus New York, Tangni, nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen sind. 

Hier kommt eine weitere wichtige kleine Teilnehmerin unseres Kurses, die es weiß, unsere Gemüter zu erheitern. Und wir möchten sie euch nicht vorenthalten: Erika, unser Sonnenschein. Denn trotz der zwei kleinen Klumpfüßchen, die sie krabbelnd oder auf ihrem zerschlissenen Rollstuhl durchs Leben tragen, weiß sie genau sich durchzusetzen und uns mit ihren kleinen Streichen auf Trab zu halten. Seien es fliegende Mittagessen, versteckte Schuhe, weinende Kinder, scharfzüngige Miskito-Flüche oder mordende Blicke, tja, mit Erika wird es nie fad. Diese Woche sind wir mit einer Ärztin der `Pipitos` durch Waspam gelatscht und haben Erika und anderen Kindern mit teilweise fehlenden Diagnosen einen Besuch abgestattet. Erika hat dadurch diese Woche endlich einen Termin beim Orthopäden erhalte, und wir hoffen, dass sie es schafft, mit einem Paar neuer Orthesen mit sieben Jahren gehen zu lernen und ihren eigenen Weg zu bestreiten.

Inzwischen haben wir unseren Speiseplan verfeinert, und neben Gulasch, Semmelknödel, Shrimps in Salsa und Spätzle lassen jetzt auch selbstgebrannte Cashew-Kerne die Ameisen-Herzen höher schlagen. Unsere 4-Hauben- Köche Aniko und Ute wissen immer unsere Gaumen zu erfreuen und durch adaptierte österreichische Küche („I halts nimmer aus ohne Sauerrahm!!!“, Ute Bors) uns euch und die Heimat nicht allzu sehr vermissen zu lassen.

 

So, bevor wir jetzt weinen, schicken wir euch viele Besos von allen Zompopos!

Bleibt weiterhin am Laufenden bei unserem Countdown der Waspamania - nur mehr 3 weeks to go.


Eure Lilli und Ruth

                                Die ersten Kurswochen in Waspam

Vorbereitet wie immer, aber mit ein bisschen mehr Nica-Gelassenheit als vor 8 Wochen, starten wir begeistert am Montag in aller Früh in unseren ersten Kurstag. Angekommen in der Universität URACCAN begrüßen uns bereits die ersten PartizipantInnen, welche unseren Kursraum bereits belagert haben. Und auf geht’s zur neuen Runde. Zielfindung steht am Programm. Verblüfft müssen wir feststellen, dass alle TeilnehmerInnen auch wirklich hier sind bzw. im Laufe des Vormittags eintrudeln. Die Kleingruppen erarbeiten die Ziele und im wunderschönen Gelände der Universität wird mit den Kindern getobt und gelacht. Schnell stellt sich heraus, dass die PartizipantInnen nicht nur am Eröffnungstag so quirlig sind. Dies hindert uns nicht an unserem Vorhaben – Ziele stehen fest und sind in der anschließenden Teambesprechung schnell an unsere Themen angepasst und zugeordnet. In aller Routine werden auch die neuen Wunschthemen organisiert und Pläne zur Umsetzung geschmiedet.

Mit einem traurigen und einem lachenden Auge müssen wir feststellen, dass diese Besprechung für unsere fleißige Ameise Eduardo die letzte war. Und jeder der ihn kennt weiß bestimmt, wie sehr er Besprechungen oder Reflexionen liebt ;-). Eduardo verlässt am Donnerstag das Projekt, da aber 2 der fleißigen Ameisen am Dienstagmorgen für ein „Nett-working“ nach Puerto Cabezas ausreisen, genießen wir noch ein letztes gemeinsames Essen in der Pizzeria Wangki. Am Mittwoch wird dann noch einmal fest umarmt und ihm eine wundervolle Zeit beim Reisen gewünscht. 

Routine macht sich breit. Dienstag wird alles für Mittwoch vorbereitet und es bleibt Zeit um das neue Projekt von unserem Matthias zu beginnen – eine Schaukel über die Kluft. Das wunderbare Grundstück, welches wir vorübergehend Zuhause nennen dürfen, wird von einem Bach begrenzt, welcher jedoch aufgrund der Trockenzeit kein Wasser führt. Somit sind wir von einer Schlucht und ein paar wunderbaren Bäume eingekreist. Kurzerhand werden Schnüre gekauft und ein Bambusrohr zu einer Schaukel umgewandelt. Nach langen Überlegungen und viel Schweiß schafft es Matthias das Seil über einen sehr hohen Zweig zu werfen und so die Schaukel zu befestigen. Mutig wie immer wird die Schaukel eingeweiht. Doch bei der Konstruktion hakt es ein wenig – nicht alle Ameisen können fliegen. Matthias ist unzufrieden und möchte die Verantwortung für weitere Verletzungen nicht tragen, so wird getüftelt und getüftelt, leider bis dato ohne wesentlichen Fortschritte, aber wir sind guter Dinge die Lösung nach unserer wohlverdienten Urlaubswoche zu finden. 

Nun ist über das einfache Leben in Waspam, oder liebevoll „Waspampa“ nicht viel Aufregendes zu berichten. Doch die Highlights bleiben auch hier nicht aus. So kann man immer wieder eine Menschentraube samstags, dienstags und donnerstags um die Mittagszeit am „Flughafen“ beobachten. Unter Ihnen natürlich auch wir, denn die Landung und der Abflug des 12-Sitzigen Fluggefährts der „La Costeña“ ist ein Erlebnis. Das Militär ist während des ca. 30 minütigen Spektakels anwesend und hat die ehrenvolle Aufgabe, die Straßen über das Flugfeld zu sperren und die verirrten Schweine oder Kühe in Sicherheit zu bringen.

Mittwoch und Freitag geht’s dann ans Eingemachte. Das Thema Lagerung, Dekubitusprophylaxe, Transfer und vieles mehr stehen am Stundenplan. Trotz komprimiertem Ameisenhaufen überzeugen unsere ExpertenInnen, Ruth, Matthias und Hannah mit Fachwissen und Flexibilität. Es wird diskutiert, geübt und wiederholt, was auch auf die Gruppendynamik sehr positive Auswirkungen hat und zu großem Interesse führt. Auch die sozialen Aspekte einer Behinderung werden nicht vergessen, in Partnerinterviews lernen sich die Teilnehmer besser kennen und erarbeiten gemeinsam was zur Selbstwertbildung alles dazugehört. 

Aber auch unsere Ameisen im Außendienst – Puerto Cabezas – waren erfolgreich. Erschöpft erreichen sie Donnerstagmorgen wieder das Hauptquartier und berichten vom Vernetzungstreffen mit Sally Feller, welche 3 Rollstühle für Waspam spenden wird, von Materialien, welche sie ausborgen konnten und den vielen anderen Aufgaben, welche sie erledigten. Obendrein wird noch Klatsch und Tratsch aus Puerto Cabezas ausgetauscht, wie zum Beispiel über den Besuch beim Neugeborenen der Leiterin unserer Partnerorganisation Los Pipitos. Auch auf diesem Wege Gratulation.

Nach dieser erfolgreichen Arbeitswoche starteten wir vorfreudig in die Osterwoche – Semana Santa. Das erste Wochenende wird verteilt verbracht, an der Pazifikküste, Rio Coco und den Corn Islands. Dort wurde gut gegessen, Meer oder Fluss genossen und mal so richtig entspannt. 

Wiedervereint starten wir am Donnerstagmorgen mit Zuwachs von der neuen fleißigen Ameise Meli auf die Cayos Miskitos. Sicher, aber alles andere als bequem, kommen wir nach einer 4-stündigen Bootsfahrt übers offene Meer im Paradies an. Es wird geschwommen, gegessen, gespielt, gefischt, vorgelesen aber vor allem genossen. Nach einer deutlich besseren Rückfahrt wird dann auch noch ganz Nica-like am Strand „La Bocanita“ Ostern gefeiert.  


In diesem Sinne auch frohe Ostern aus Nicaragua!

                                              Waspamania

Nach einigen kleineren Umwegen haben es schlussendlich alle Ameisen heil nach Waspam geschafft um dort wieder voll durchzustarten. Die erhoffte Unterkunft in der neuen Umgebung wurde zwar einen Tag vor geplanter Ankunft noch abgesagt, wir haben jedoch schon einiges in Nicaragua gelernt und so verlässt man sich entspannt darauf, dass man die richtige Person, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort schon zufällig treffen wird. Und man kann es jetzt Glück, Schicksal, Glaube, Karma oder auch Zufall nennen, jedenfalls dürfen wir jetzt ein wunderschönes Häuschen, mit den liebevollsten und hilfsbereitesten BesitzerInnen/NachbarInnen bewohnen. Ganz a la Nica wird am Tag unseres Einzugs noch schnell eine „Küche“ zusammengezimmert, die die ein oder andere Ameise jedoch selten von innen sieht, da zufälligerweise auch eine kleine Bar/Rosticeria mitten im Garten steht... So können alle Zompopos wieder mit Energie und Motivation durchstarten und Waspam unsicher machen.

Da 3 VertreterInnen unserer Partnerorganisation „Los Pipitos“ in dieser Woche auch in Waspam sind, um in Kooperation mit „Plan Nicaragua“ eine Erhebung der Kinder mit Behinderungen zu machen, nutzen wir diese Chance und unterstützen die Pipitos in diesem Vorhaben. So schwirren am Dienstag und Mittwoch lauter Pipitos und Zompopos aus und erhalten die Gelegenheit in allen Barrios von Waspam – und auch in zwei Comunidades außerhalb der „Stadt“ – die aktuelle Situation zu erkunden, durch Hausbesuche wichtige Erkenntnisse für unsere Arbeit vor Ort zu erlangen beziehungsweise auch passende Eltern für unseren Kurs in Waspam einzuladen.

In diesen ersten Tagen wird natürlich auch die ganze Metropole erschlossen: ein gemütlicher verschlafener Ort am Rio Coco, an dessen Ufer man auch einmal einen Blick auf Honduras werfen kann und in dem ein Telefonat innerhalb der „Stadt“ schon zur Wutprobe wird, von einer stabilen Internetverbindung gar nicht erst zu sprechen.

Am Freitag zeigt sich, dass fleißig gearbeitet und eingeladen wurde, da über 60 Personen zur offiziellen Eröffnung des Projektes erscheinen. Nach der Projektvorstellung und dem Kennenlernen der Organisationen vor Ort, wird auch gleich im Anschluss partizipativ mit den TeilnehmerInnen das erste Treffen für den Kurs bzw. der Kursablauf organisiert - nach einem etwas chaotischem Start (Zitat Lisa: „Wenn wir dabei jetzt schon die Nerven verlieren, schaffen wir keine 6 Wochen Kurs gemeinsam“). Im Endeffekt kann sich dann aber eine sehr bunte und hoch motivierte Truppe von PartizipantInnen auf die Kurstage einigen und dem Start steht nichts mehr im Wege.

Am Samstag wird natürlich auch wieder die Geburtstagsameise Hannah mit der gewohnten Kuchen- und Eierschlacht beehrt und dann tanken die Ameisen noch einmal viel Kraft für die kommende Woche mit einem Ausflug zur Kokosnuss-Plantage in Kururia. Hier wird man von allen Tieren freundlich begrüßt und zur Sicherheit auch gleich vorweg entlaust.

Mit Mühe und Not ist es möglich, alle Zompopos davon zu überzeugen, diesen wunderschönen Ort wieder freiwillig zu verlassen, um sich auf den Fußmarsch zurück nach Waspam zu machen. Nica-Zeitangabe: zwischen 1,5 Stunden und einen Tag ist alles möglich. Wir schaffen den Marsch aber in soliden 5 Stunden – vielleicht von den Einheimischen leicht belächelt aber trotzdem stolz – und stehen in den Startlöchern für Runde 2...


PS: Ein bis zwei Zompopos begeben sich immer wieder einmal auf die abenteuerliche Reise nach Puerto, um dort Dinge zu besorgen, die es in Waspam nicht gibt bzw. auch das Internet zu nützen, um zum Beispiel wieder einen Blogeintrag für euch zu schreiben, was leider zu nicaraguanischen Verzögerungen führen kann...aber da zufällig die beste Internetverbindung in einem wunderschönen Hostel mit ausgezeichnetem Frühstück (und richtigem Kaffee!!!) besteht, kann man sich die Arbeit auch schon einmal etwas versüßen...


Guten Morgen, Mahlzeit und bis bald.

Eure Lilli und Co

                                      2.3.-8.3. 2015: Caso cerrado

Routinemäßig wird am Montag der Wochenplan aufgehängt. Aufgaben werden eingeteilt, wichtige Erledigungen niedergeschrieben und für den Freitag groß „Zertifikatsverleihung“ eingetragen. Unglaublich, die letzte Kurswoche in Puerto Cabezas steht uns bevor!


Montag und Dienstag wird, wie jede Woche, in der Werkstatt eifrig gehämmert, gesägt, geschraubt und geschwitzt, um die Werkstücke noch vor Abreise fertig zu bekommen. Ebenso fleißig werden währenddessen auf unserem zum „Homeoffice“ umfunktionierten Esstisch, die Unterlagen für den letzte Kurstag fertiggestellt. Am nächsten Tag werden die KursteilnehmerInnen diesmal in der Sala de Reunión im Erdgeschoss unserer Unterkunft zusammengetrommelt. Auf Wunsch der Teilnehmer wird das Thema „Umgang mit chronischen Schmerzen“ behandelt. Für Gregorio, der nach seinem Tauchunglück an chronischen Schmerzen in den Beinen leidet oder Angioly, die ohne Rheumabehandlung zurecht kommen muss, stellen Schmerzmedikamente, die im Supermarkt ohne Rezept, einfach und schnell erhältlich sind, die einzige Möglichkeit dar, ihr Leid zu lindern. Auch die Ärzte vor Ort haben den Ruf bei unklarer Diagnose schnell mal zu Schmerzmedikamenten zu greifen. Umso überraschter waren wir über den lebendigen Vortrag der geladenen lokalen Experten. Ein Arzt und eine Krankenschwester, die in einem Pilotprojekt mit einem amerikanischen „palliativecare“ Team zusammenarbeiten, berichteten einfühlsam von ihren persönlichen Erfahrungen in ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit Schmerzpatienten, zeigten Alternativen zur Schmerzmedikation auf und sorgten mit Rollenspielen für Schmunzeln in den Reihen der Zuhörer.

Gestärkt mit einem köstlichen Mittagessen von unserer Hobbyköchin Milena, ging es am Nachmittag ans Eingemachte! Fünf Gruppen wurden gebildet. Eine Gruppe von Frauen war für die Planung des gemeinsamen Ausfluges zum Strand und des Abschlussfestes zuständig. Dabei wurde der Markt durchkämmt, um die billigsten Lebensmittel zu ergattern, mit den Marktfrauen gefeilscht und schließlich die Zubereitung des Essens für den nächsten Tag am Strand aufgeteilt.


Ein weiteres Grüppchen übergab den adaptierten Rollstuhl an die 24-jährige Tochter unserer Kursteilnehmerin Elsa. Für alle war es ein sehr rührender Moment als Angioly, die seit Jahren das Bett nicht mehr verlassen hat, im adaptierten Lagerungsrollstuhl sitzt und dieser wie angegossen passt!

 

Eine weitere Gruppe war für die Übergabe des reparierten Gehbockes an das Mädchen Marva und für die Anbringung von Haltegriffen in deren Toilette zugeteilt. Nach mehreren Fahrten quer durch die Stadt, um das notwendige Werkzeug aufzutreiben, konnte auch die Gruppe von Matthias und Ute ihre Mission erfolgreich bewältigen.

Die Heimwerkerkönige unter den Kursteilnehmern wurden zu den Häusern von Gregorio und Giovanni entsandt, um das Stiegensteigen durch die Anbringung von Handläufen zu erleichtern. Sogar der „Doctor“ (wie der 22-jährige lokale Physiotherapeut hier genannt wird) machte sich die Hände schmutzig und sägte eifrig mit. Wo noch Hilfe notwendig war, halfen Freunde und Nachbarn mit, sodass die Handläufe bis zum Abend fertiggestellt werden konnten.

Ein besonderer Tag war der gemeinsame Ausflug an den Strand, an dem fast alle KursteilnehmerInnen mit Familien teilnahmen. Es war schön zu beobachten, dass jeder in dieser so heterogenen Gruppe, unabhängig von seiner Vorgeschichte und seiner Behinderung, einen Platz gefunden hat und neue Freundschaften schließen konnte.

 

Ein besonderer Moment war, als Elsa strahlend mit ihrer Tochter Angioly im neuen Rollstuhl zum Strandfest kam, der es, obwohl sie am Strand lebt, seit Jahren nicht mehr möglich gewesen war hin zu kommen. Oder als Orlando, ein schwer körperbehinderter Junge, der kaum sein Bett verlässt, im Rollstuhl sitzend mit großen Augen aufs Meer schaute und wir lachend mit ihm vor einer Kuhherde am Strand davonrasen mussten.

Solche Momente bestärken uns in unserer Arbeit und zeigen uns, dass wir am richtigen Weg sind. Und wir möchten gerade euch und unsere Unterstützer und Daumendrücker zuhause daran teilhaben lassen, weil auch ihr zu einem großen Teil zu diesen Erfolgen beigetragen habt! Vielen, vielen Dank dafür!

 

Am Freitag stand schließlich die Zertifikatsverleihung am Programm. Alle fanden sich herausgeputzt in der Sala de Reunión in unserem Haus zusammen. Lilli schwang eine rührende Rede, fügte zu jedem Kursteilnehmer ein paar persönliche Worte hinzu und wir überreichten feierlich das Zertifikat. Auch von den geladenen Gästen gab es kurze Dankesreden bevor wir das Fest bei einem Umtrunk ausklingen ließen.

Zufrieden, glücklich und erleichtert, die letzte Kurswoche gut abgeschlossen zu haben, gönnten wir uns am Wochenende wieder einen Ausflug nach Wawabar. Diesmal jedoch nicht im Schnellboot, sondern im Fischerboot, nachdem der Motor trotz Hilfe von vielen geschickten Nica-Händen nicht anspringen wollte. Die Fahrtzeit war zwar dreimal so lang wie das letzte Mal, dafür verspäteten wir uns ausreichend, um auf der Rückfahrt am Dach des Bootes liegend, unser Wissen über Sternbilder auszutauschen, über die Unendlichkeit des Universums zu philosophieren und Corinna und ihre erste Sternschnuppe in ihrem Leben zu bejubeln!

„Ahora caso cerrado“,  wie es unser lieber Obispo sagen würde!

Bis zum nächsten Blogeintrag von unser allerletzten Woche in Puerto Cabezas!

 

Saludos, eure Ameise Ruth

                                   23.2.-1.3. 2015: Planänderung

Für nicaraguanische Verhältnisse „just in time“, wenn nicht sogar etwas frühzeitig, passen wir uns diese Woche wieder den Gegebenheiten vor Ort an. „Die Wichtigkeit des Spiels“ wird kurzerhand zum Thema unbenannt „Die Wichtigkeit von verschiedenen Formen sinnvoller Betätigung“, um auch ja allen Interessen und Ansprüchen gerecht zu werden. Wir wissen ja auch erst seit dem ersten Treffen im Jänner (also vielleicht doch schon ein paar Wochen...), dass nicht nur die Betreuungspersonen von Kindern mit Behinderungen am Kurs teilnehmen, sondern auch Betroffene von unterschiedlichen anderen Organisationen.

Am Montag findet ein gemeinsames Mittagessen in der „Ameisenwerkstatt“ statt, für uns eines der Highlights der Woche. Ute schwingt den Kochlöffel und zaubert Gulasch - die Gesichter unserer einheimischen Ameisen lassen jedoch noch etwas Skepsis erahnen, die jedoch in keinerlei Zusammenhang mit den Kochkünsten stehen kann! Dieser Besuch entscheidet den Ablauf der nächsten Woche. Ganz nach dem Motto „Learning by doing!“ wird der Kurs spontan zu einer offenen Werkstatt umfunktioniert, in der alle Teilnehmer über die Wichtigkeit und Wirkung von Betätigung erfahren, indem sie sich gemeinsam an verschiedenen Projekten aktiv beteiligen: So werden Reifenhutschen für die heilpädagogische Schule sowie Playboards und Spiele aus Müll hergestellt, Lagerungsmaterialien und verschiedene Pölster genäht, an Rollstühlen geschraubt und an einem anpassungsfähigen und verstellbaren Sitzsystem getüftelt. 

Vor allem die fertigen Reifenhutschen erfreuen sich großer Beliebtheit, sodass die Frage „Wer bekommt jetzt was?“ nur noch durch professionelles Krisenmanagement unserer Koordinatorin beantwortet werden kann. 


Da aber das Ziel ja auch ist, sich die Fertigkeiten anzueignen und mit Materialien zu arbeiten, die hier vor Ort (meist gratis) erhältlich sind, werden hoffentlich auch in Zukunft weitere Modelle von unseren Teilnehmern produziert und unter die Leute gebracht.

Kleinigkeiten, wie die fehlende Stromversorgung des Zentrums, hindern uns nicht an der Durchführung unserer Bastelstunde: Der ein oder andere Zompopo verwandelt sich einfach kurzzeitig vom Therapeuten zum Elektriker. Flexibilität ist hier immer grafragt. Aber auch Kreativität. So entpuppt sich so manche Ameise als „aus-Müll-Drachenbau-Experten“. Aber auch die versteckten Talente und die Kreativität der Teilnehmer werden uns einmal mehr bewusst.

In diesem lustigen Treiben kann nur eines die Stimmung drücken, nämlich, dass wir am Abend zuvor unsere allerliebste gelbe Ameise Dani in den Mini-Flieger setzten mussten, der zwar ungefähr gleich anmutig dahingleitet wie der selbst gebastelte Müll-Drachen aber sie hoffentlich gut nach Hause bringt (mit hoffentlich noch sehr schönen und erholsamen Zwischenstopps inklusive). Sie hat uns während ihrer gesamten Anwesenheit mit ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen unterstützt, motiviert, jederzeit angepackt und uns vor allem auch den Alltag versüßt, nicht zuletzt durch professionell angeleiteten „5-Minuten-verrückt-sein-Pausen“.

 

Daaaaaaaaaanke Dani, wir können deine Abreise nur damit verkraften, dass wir wissen, dass du zu Hause mindestens genauso sehr vermisst wirst wie hier!

Hat man schon am Freitag versucht, die nervtötenden Trompeten und Tröten zu überhören, die in der ganzen Stadt ertönten, so kann sich am Samstag kein Zompopo mehr der Tatsache entziehen, dass an diesem Wochenende COSTA CARIBE, eines der wichtigsten Spiele (also ich weiß bis jetzt nicht ob es Softball oder Baseball ist) beginnt und die Stadt für dieses Wochenende im Ausnahmezustand versinkt. Also tauchen alle Zompopos mitten hinein und machen mit, denn im Stadion ist der einzige Ort zu diesem Zeitpunkt, an dem man sich nicht über die Lärmbelästigung ärgert sondern plötzlich mitfiebert und sich dem Ausnahmezustand voll und ganz hingibt.  

Zum Abschluss der Woche werden auch noch ein paar Eier zusammengetragen, die traditionellerweise am Kopf unserer Geburtstags-Ameise Matthias landen. Dieser ist allerdings leider schon etwas erfahrener in diesem Geburtstagsbrauch und hat das Zimmer nur mit Badehose bekleidet verlassen, um Schlimmes zu vermeiden. Er hat dabei jedoch nicht an die obligatorische Kuchenschlacht gedacht, die ihm dann geduscht und umgezogen nicht erspart blieb! Als Geburtstagsüberraschung wird für Matthias am Sonntag auch noch ein Treffen mit einem einheimischen Schamanen organisiert, der zwar bis heute noch nicht aufgetaucht ist, aber naja nicaraguanisch eben, Stichwort: „just in time“...

 

Das wars auch wieder von uns. Wir wünschen euch alles Liebe! 

Herzlich eure Ameise Co

 

                                     16.2.-22.2.2014: Vida diaria

Eine neue Kurswoche kann beginnen! Es geht ums Essen und Trinken, ums An- und Ausziehen, ums Waschen und Zähneputzen - kurz gesagt, um die Aktivitäten des täglichen Lebens. Da dieses Thema alle sehr betrifft und schon im Vorhinein ein reges Interesse dafür geäußert wurde, stürzen wir uns mit Vorfreude in den ersten Kurstag. Die Vortragenden Dani, Ruth und Hannah sind bereit. Es geht los mit Essen und Essen und noch mal Essen. Angefangen wird mit Ernährungsproblemen und Schluckstörungen. Für die Selbsterfahrung probieren die Teilnehmer selbst viel aus. Dabei werden einige Frage der Theorie gleich in der Praxis erprobt: Wie fühlt es sich an im Liegen zu essen? Wie ist es, jemanden zu füttern, der nichts sieht und zu dem nicht gesprochen werden darf? Von den von uns zur Verfügung gestellten Lebensmitteln sind nicht alle sooo begeistert: von Chia-Pudding über Haferbrei und Ketchup ist alles dabei. 

Danach geht es um verschiedene Möglichkeiten der Nahrungsverabreichung, die richtige Position und die Kiefer- und Kopfkontrolle. Es wird mit einer Puppe vorgezeigt, an uns selber ausprobiert und geübt. Bei der Aufarbeitung, welche Nahrung bei Schluckstörungen eingenommen werden darf, gibt es einige Aha-Erlebnisse. Mit unserem Hinweis, dass nur Milch zur ausgewogenen Ernährung nicht reicht, endet unser erster Kursteil und es kann nach dem Mittagessen mit den sozialen Aspekten weitergehen. Partnerinterviews stehen an der Tagesordnung. Ein jeder Einzelne kann einmal über seine Erlebnisse und Erfahrungen berichten. Fantasiereisen werden durch die Frage „Welches Tier wäre ich?“ angeregt. Ein Vogel, der von der Freiheit träumt, oder doch ein Affe, der Bananen klaut?! J Es wird viel gedacht und natürlich auch gelacht.

 

Nächster Tag. Die Sonne scheint. Wir holen die einzelnen Kursteilnehmer mit unserem Transport ab. Auf einmal ein Riesenlärm! Die Antriebswelle ist gebrochen und wir müssen alle aussteigen. Der Bus wird abgeschleppt und alle warten „tranquilo a la Nica“ geduldig auf unsere Rettung. Kurzfristig wird ein Pick-up organisiert, der uns alle zum Zentrum bringt. Endlich angekommen und natürlich schon vieeeeeel zu spät, erwartet uns unsere nächste Hürde: heute sollen die lokalen Physiotherapeuten einen Vortrag über Verstopfung halten, doch es gibt keinen Strom für den Computer und Beamer. Es wird herumgeschaltet und alles ausprobiert, doch nein, die Physiotherapeuten erklären sich schlussendlich bereit, die aufwendig gestaltete Präsentation ohne Power-Point vorzustellen. Alle hören nun gespannt zu, als die „doctores“ (wie männliches Krankenhauspersonal im Arbeitskittel automatisch genannt wird) über Verstopfung und deren physiotherapeutische Behandlung berichten. Das Beste kommt aber bekanntlich zum Schluss: ein lauter Regenschauer, der aufs Dach prasselt macht die Weitersetzung des Vortrags für einige Minuten unmöglich. Aber schlussendlich wird es doch ein Erfolg und zum Glück ist die Toilette nicht weit, als die Darmmassage geübt und so die Darmaktivität angeregt wird.

Da wir nun nur noch wenig Zeit haben, lassen wir die Kursteilnehmer die Ernährungspyramide erarbeiten. Als die einzelnen Gruppen ihre Pyramide vorstellen, könnten wir uns aufgrund ihrer Überzeugungskunst fast dazu überreden lassen, dass ja Hühnerfleisch, Bohnen und Reis am Wichtigsten sind, da sie ja jeden Tag gegessen werden.

 

Das ist dann genug für diesen Tag und die für heute kurzfristig organisierten Taxis bringen alle sicher nach Hause.

Am nächsten Tag beginnen wir unseren Kurs mit verschiedenen Mundmotorik-Übungen. Die Zunge wird zur Nase gestreckt und die Wangen aufgepustet. Der ganze Körper wird durchgeschüttelt, danach werden die Teilnehmer in Gruppen geteilt und es sollen bestimmte Themen der Kursinhalte der letzten Tage noch einmal erarbeitet und so wiederholt werden.

 

Thema Trinken. Wie gebe ich am besten jemandem zu trinken (ohne ihn anzuschütten)? Zum Glück ist nur Wasser in den Bechern, denn der eine oder andere hat schon ein paar Schwierigkeiten dabei.

 

Das An- und Ausziehen wird praktisch an den Teilnehmern geübt und vorgezeigt. Es erweist sich als gar nicht so einfach, ein T-Shirt nur mit einer Hand anzuziehen oder jemand anderem, der sich gar nicht bewegen kann, an- und auszuziehen. Die Teilnehmer haben trotzdem, oder gerade deshalb, ihren Spaß, unterstützen sich und tauschen ihre Erfahrungen beim An- und Ausziehen ihrer Kinder oder sich selber aus.

Der Tag wird beendet mit den Anfordernissen im Badezimmer: Toilette gehen, waschen und Zähne putzen. Eine weitere Kurswoche geht somit zu Ende und es kann gemütlich ins Wochenende gestartet werden.

 

Am Sonntag können wir uns bei einem schönen Ausflug nach Sisin an einem Fluss mit einer Kanufahrt, Baden und am Feuer gebratenen Langusten erholen.

 ¡Que viva la vida!

 

¡Hasta luego!

Euer Zompopo Hannah

                           9.2. - 15.2.2015: Not macht erfinderisch

Gut gerüstet soll es in die dritte Kurswoche gehen - aufbereitet von unserer Ameise Ute alias Katharina. „Gschaftig“ stehen die schwitzenden Zompopos mit ihren Unterlagen zur „Lebensraumanpassung“ für das nächste Thema bereit. Listen über Normen zur Türbreite, Rampenneigungen und Hilfsmittel zur Erleichterung der Aktivitäten des täglichen Lebens werden eifrig ausgedruckt und auf Spanisch übersetzt. Die Suche nach einer rutschfesten Unterlage fürs Badezimmer wird zu einer wahrhaften Odyssee im Labyrinth des "mercados" (Markt) zwischen Plastikschüsseln, Ananas, Fisch und auf den Panzer liegenden Schildkröten (!). Erste Bedenken kommen auf, doch wir lassen uns davon nicht unterkriegen und stellen eifrig unsere selbstgemachten Hilfsmittel her: Griffverdickungen aus Wettex, Klosessel aus Plastikstühlen & -schüsseln, Griffverlängerungen aus Kleiderbügel, maßgefertigte Rollstuhltische aus Holz, ausgeschnittene Becher, adaptierte Kämme, Grillzangen als lange Greifzangen "y mucho mas" (und vieles mehr).

 

So lasset den ersten Kurstag beginnen und die Wohnraumadaptierung gelingen! HexHex ...oder wie Carmen es so treffend formuliert hat: „Nicht der Mensch sollte sich an seine Umgebung anpassen müssen, sondern die Umgebung an den Menschen." Zum Einstieg sollten folgende Selbsterfahrungen unsere TeilnehmerInnen zum Denken anregen: Wie kann ich mich gleichzeitig am Gehgestell festhalten und im Stehen trotzdem eine Ananas schneiden? Kann ich Wasser aus der Tonne schöpfen ohne vom Rollstuhl zu fallen? Ist es trotz Krücken möglich den Müll hinterm Haus einzusammeln und zu verbrennen? (Die Mülltrennung und -verwertung in Nicaragua ist wieder eine andere Geschichte...) Hürden und Herausforderungen wurden im Gruppenplenum ehrlich ausgetauscht sowie Tipps und Tricks von unseren Experten – langjährigen Rollstuhlfahrern und auf Krücken angewiesenen Tauchern - verraten.

Am Nachmittag war Platz um den Unmut kund zu tun, der am Vormittag in den Pausen schon in der Luft lag. Unsere Zompitas der sozialen Aspekte reagierten spontan adäquat und sprachen das Thema in der Gruppe an. Lehrerin Rildia berichtete aufgebracht über den aktuellen Aufruhr in der Schule über die heilpädagogische Klasse (die einzige in der Region!). Einmal mehr wurde ihnen aufgezeigt, dass sie hier nicht erwünscht sind und die Bürger mehr Platz für die „normalen“ Kinder in der Schule bevorzugen. Eifrig wurde diskutiert, hinterfragt und analysiert. Trotz eines erneuten Rückschlags ließen sich die tapferen Lehrerinnen nicht demotivieren und beriefen sich erneut auf ihre Rechte die im Ley 763 eigentlich festgelegt sind. Eigentlich...

 

Für Aha-Erlebnisse sorgte auch der nächste Workshop-Tag. Endlich konnten wir unsere Hilfsmittel präsentieren und gemeinsam mit den TeilnehmerInnen nachbauen. „Es woar afoch echt kuuuhl, mehr kann ma dazu gor net sogn“, Zitat eines Zompopos. Gruppen zu je 5 Teilnehmern wurden gebildet um die arbeitsreiche Woche mit Hausbesuchen bei betroffenen TeilnehmerInnen abzuschließen. Da waren u.a. Elsa und ihre Tochter, 24, juvenile Polyarthritis, seit 14 Jahren ans Bett gefesselt, ohne medikamentöse Behandlung. Oder Ancelmo, der mit Krücken in seinem kleinen Stelzenhaus wohnt, am löchrigen Boden schläft und nicht einmal Geld für einen Sessel besitzt - von einem Klo weit und breit keine Spur. Spannend war auch das „heilpädagogische“ Klassenzimmer – wo war da der Unterschied zu den „normalen“ Klassenräumen? ... Tja, wie war das nochmal mit der Checkliste und der nicht gefundenen rutschfesten Unterlage fürs Bad, wenn das Haus nur aus einem Raum besteht bzw. gewisse Räumlichkeiten nicht einmal existieren? Auch wir Ameisen sind vor Aha-Erlebnissen nicht gefeit! Nach erstem Staunen wurden konstruktive und realistische Vorschläge in der Kleingruppe gesammelt und wieder einmal zeigte sich wie viel Wissen sich unsere PartizipantInnen in dieser kurzen Zeit schon angeeignet haben. „Es brauchte nur einen Input von euch, um unsere Kreativität und unseren Geist anzuregen, y ahi esta!“, meinte dazu Stefanie.

 

Am Wochenende gönnte sich dann die Zompopo-Crew einen Ausflug mit einer Panga über Meer und Fluss zu den Comunidades Wauwau Bar und Karata. Ihr glaubt jetzt vermutlich wir haben uns mit wilden Hunden und Freunden Jackie Chans umgeben? Ha! Naja, fast. Es waren wilde Schweine und freundliche Indiginas die uns ihre Dörfer zeigten. Fazit: Der Fisch-Rondon schmeckt hier vorzüüüglich und am Strand lässt es sich wauwaubar ähm wunderbar entspannen.

 

Liebe Grüße,

eure Zompopitos Ruth & Dani

                          2.2. - 8.2. 2015: Keep rollin´, rollin´, rollin´

Endlich geht’s ans Eingemachte. Edi sitzt ohnehin schon auf Nadeln (und Nägeln), denn lange, viel zu lange hat es gedauert, bis seine nigelnagelneue Werkzeugkiste in Action kommt. Doch diese Woche ist es soweit. „Movilidad y Asientos“ (Mobilität und Sitzgelegenheiten) heißt unser Thema. Unsere wissbegierigen Kursteilnehmer lernen hier alles über die richtigen Hilfsmittel für die Mobilität von Menschen mit Behinderung,  wie Gehhilfen, Krücken, Prothesen und Rollstühle, Sitzsysteme, den Umgang mit Spastik, praktische Anpassung von Rollstühlen und Sitzunterstützungen und die Wartung von Rollstühlen.


„Gruppenarbeit! Selbsterfahrung!“ tönt es laut aus den Hälsen unserer Pädagoginnen (natürlich auf Spanisch) und schon sitzen alle unsere "participantes" (Teilnehmer) in Rollstühlen, stolpern mit Krücken ums Haus herum und manövrieren ihre Rollatoren im Slalom durch die Gänge. Nachdem die ersten Themen fleißig erarbeitet und diskutiert werden, gibt es eine kurze Pause mit Verdünnungssaft auf Nica-Art: Fruchtpulver mit vieeeel Zucker. Sobald der Zuckerhaushalt wieder im roten Bereich ist, sind alle wieder voll motiviert bei der Sache und wir können auch noch die Rollstühle im Gedanken in alle Einzelteile zerlegen und einige Kinder mit Behinderung in Sitzsysteme betten. Tja, theoretisch brennt sich also alles gut in die Köpfe ein. Doch wie wir alles wissen braucht es "learning by doing", damit es auch wirklich in der Praxis was wird und man die nötigen Kenntnisse und den richtigen Umgang mit dem Werkzeug erlangt. Edi stellt deshalb kurz die wichtigsten Materialien vor und zeigt welche Hilfsmittel bzw. Anpassungen damit möglich sind. Damit die Rollstühle auch einige Jahre weiterrollen und nicht vom Salz des Meeres zerbröselt werden, wird die Wartung der Rollstühlen natürlich auch nicht ausgelassen. Zum Abschluss ist dann die Expertise der Teilnehmer gefragt. Wir formen Gruppen und die Teilnehmer müssen mit ihrem gewonnen Wissen bei 2 Rollstühlen und einen Sitzsystem erarbeiten, welche Adaptationen, Konstruktionen und Reparaturen gemacht werden müssen, um eine optimale Position im Sitzen für das jeweilige Kind zu erreichen. Nach langem Rumdiskutieren ist das Ergebnis dann wirklich spitzenklasse!


Conclusio: Es konnte viel von dem Erlernten umgesetzt werden und unsere eifrigen Kursteilnehmer beschlossen selbständig welche Anpassungen für die Stühle gemacht werden sollen. Das Ziel für diese Woche wurde mit Bravour von allen Beteiligten erreicht und wir sind überglücklich und stolz mit einer so guten Truppe zusammenarbeiten zu dürfen.


So wie jede Woche werden auch diesmal Mittwoch nachmittags sehr emotionale Themen besprochen. Es geht um das Leben mit Behinderung bzw. um das Leben als Angehöriger einer Person mit Behinderung. Auch geht es um die Umwelt und wie sie darauf reagiert. Besonders in Ländern wie Nicaragua wird das Thema Behinderung nicht sehr oft angesprochen bzw. darüber geredet. Da ist zum Beispiel Geovanny, der von seiner Mutter erzählt und darüber, dass sie oft in der Öffentlichkeit leugnet, dass er ihr Kind sei. Da sind Mütter und Väter, die dafür kämpfen müssen, dass ihre Kinder in die Schule gehen dürfen. Und da ist Anselmo, ein ehemaliger Taucher mit Krücken, der einfach gerne eine Frau kennenlernen möchte. Doch wer will schon einen Mann mit Behinderung, der keine Arbeit findet... In unserer Runde können alle Teilnehmer ganz offen über ihre Sorgen, Wünsche und Ziele sprechen und werden dabei sehr einfühlsam von unseren zwei Pädagoginnen Aniko und Corinna unterstützt und begleitet.

BENJI
BENJI

Unser Mann in Puerto. Ja, es gibt Nachwuchs. Obwohl das Wort Nachwuchs für Menschen mit 56 Jahren für viele wohl nicht ganz passend wirkt. Benji heißt er. Und cool ist er auch. Und – ja ihr Frauen, macht euch keine Hoffnungen – verheiratet ist er auch. Ein ehemaliger Langustentaucher, dem in 36 Meter Tiefe der Sauerstoff ausging und der viel zu schnell auftauchen musste. Seitdem ist er hüftabwärts gelähmt. Und leidenschaftlicher Rollifahrer. Benji ist unser Mann in Puerto. Er wird für uns Hammer schwingen, Flammen werfen, Stoffe tackern, Sägen rattern und die Nachbarn mit Lärm in den Wahnsinn treiben. Benji ist unser Jackpot hoch 3. Er ist der einzige Mensch in der ganzen Stadt, nein in der ganzen Region, der ausgebildeter Rollstuhlmechaniker ist. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern ganze dreimal wurde er zu Fortbildungen geschickt. Aber Ausbildung allein ist noch lange nicht alles, was es braucht, um das Wissen auch anwenden zu können. Benji konnte also nie als Rollimechaniker arbeiten. Doch hier kommen wir ins Spiel: Gib ihm Material, Werkzeug, den Vorgarten von Obispo, ein Kursmitglied, einen Edi und einen Matthias und tadaaaa fertig ist unsere Hilfsmittelwerkstatt. Wir freuen uns, euch baldigst die ersten Werke daraus präsentieren zu dürfen. Bis dahin: bleibt geschmeidig! So wie Benjis Rollis und Handbikes. 

 

Eure Ameisen Lilli und Eddi

                             26.1. - 1.2.2015: Die zweite Kurswoche

Lagerung, Transfer, Dekubitus- und Kontrakturprophylaxe für die Ameise von heute


Endlich ist es soweit... die erste Kurswoche haben wir geschafft! Gespannt haben wir auf den Kursstart hingefiebert; neugierig auf die KurteilnehmerInnen, auf Überraschungen gefasst, mit Kursunterlagen und gut strukturiertem Kursablauf gerüstet. Am Dienstag bekamen wir dann noch Verstärkung aus Österreich. Unsere liebe Dani kam am Nachmittag an! Mit ihrer Unterstützung war dem Beginn der zweiten Kurswoche nichts mehr entgegenzusetzen. Es konnte also losgehen! Nur die Organisation des Transportes blieb weiterhin ein großes Problem! Den Kurs halten wir nämlich im Zentrum der "Los Pipitos", etwas außerhalb der Stadt, das nicht zu Fuß erreichbar ist. Wir konnten für die erste Kurswoche einen Pickup organisieren, der mit zwei Fahrten alle TeilnehmerInnen einsammeln und  alle hinbringen sollte. Da es die Nicas aber mit der Zeit nicht so genau nehmen und auch die angegeben Adressen teilweise lückenhaft waren, erschwerte sich dieses Vorhaben. Umso erleichterter waren wir, dass trotzdem alle TeilnehmerInnen - wenn auch mit 2 h Verspätung - am Kursort ankamen! Sehr erfreulich war, dass neben den geplanten TeilnehmerInnen von unserer Partnerorganisation "Los Pipitos", auch Vertreter von ADIC, eine Organisation zur Vertretung von Menschen mit Behinderung indigener Abstammung, von ODISRAAN, eine Organisation zur Vertretung von Menschen im Rollstuhl, von ABALCA, eine Organisation zur Vertretung von verunglückten Langustentauchern (Taucherkrankheit), von MIFAMILIA, regionaler SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen, am Kurs teilnahmen. Die Gruppe setzt sich nun aus pflegenden Angehörigen, selbst betroffenen Personen, Lehrerinnen, Vertretern anderer Organisationen, zwei Physiotherapeuten und einer Krankenschwester, zusammen. Eine bunt gemischte Gruppe, die eines gemeinsam hat: eine unglaubliche Wissbegierde!

In dieser Woche sollten die Themen „Lagerung & Transfer, Dekubitus- und Kontrakturprophylaxe“ behandelt werden. Das Stichwort „Dekubitus“ reichte aus und schon sprudelte es aus den TeilnehmerInnen hervor. Es war klar: das Thema interessiert hier alle! Die TeilnehmerInnen waren motiviert und engagiert, verfolgten den Kurs gespannt, nahmen an praktischen Übungen teil und bereicherten auch uns mit ihren Erfahrungen. In den drei Kurstagen konnten wir den vorbereiten Stoff durchbringen: wir bauten viele Wiederholungen ein und schauten stolz zu, wenn die TeilnehmerInnen einen Lagewechsel, eine Lagerung oder einen Transfer ohne unserer Hilfe korrekt ausführten. Die Herausforderung der Sprachbarriere wurde mit Bravour gemeistert. Es wurde mit Händen und Füßen bzw. mit Fühlern und Beinen kommuniziert. Die „Ameisen“ mit besseren Spanisch-Kenntnissen übersetzten und Versprecher sorgten höchstens für einen Lacher in den Reihen der Zuhörer. Um den Kurs auch den pflegenden Angehörigen mit Kindern zu ermöglichen, boten wir für die Kurstage eine Kinderbetreuung an. Zu unseren Schützlingen gesellte sich noch eine Schar von Nachbarskindern dazu, sodass wir plötzlich einen ganzen Klassenraum voller Kinder füllen konnten. 

Für Nervenfutter war auch gesorgt. Neben kleinen Snacks, die wir bereit stellten, erklärte sich eine der Teilnehmerinnen dazu bereit, für die KursteilnehmerInnen zu kochen. Und immerhin, die gesamte Anzahl an Person beträgt nicht minder als 35 Personen, uns Volontäre inkludiert. Die fehlende Wasserversorgung im Zentrum, die uns anfangs noch Kopfzerbrechen bereitete, wurde schließlich durch die Nachbarn am Kursort gestellt. Um es sich besser vorstellen zu können: Wir erhielten die Befugnis den Brunnen auf ihrem Grundstück zu öffnen und Wasser mit einem Eimer und einer Schnur zu schöpfen. Bei tropischen Temperaturen schon eine kleine Herausforderung für Ameisen die normalerweise in kühlerem Klima arbeiten. :-) Auf die Woche zurückblickend können wir sagen, dass sich unser Horizont um einige schöne Erfahrungen und Aha-Erlebnisse erweitert hat. Die Rückmeldung der KursteilnehmerInnen lässt darauf schließen, dass unsere Arbeit fruchtet. Außerdem lernen wir von Tag zu Tag besser mit den kleinen Eigenheiten dieses Landes umzugehen und finden uns hier besser zurecht. Am Wochenende wird die Zeit zum Tanzen mit Einheimischen in der Diskothek, zum Fußballspielen am Strand mit den lokalen "Chicos" (Jungs), zum Plantschen am "Rio" (Fluss) oder einfach nur zum Ausspannen genutzt, damit wir am Montag Morgen, wenn wieder um 7:30 Uhr zum Frühstück gerufen wird, wieder voller Energie in die Woche starten können. Diese verspricht mit der Rollstuhlanpassung wieder sehr spannend zu werden.

 

Liebe Grüße,

Eure Ameisen Ruth,  Matthias und Dani

19.1. - 25.1. 2015: ….und mittlerweile sind wir nicht nur in Puerto Cabezas sondern schon mitten im Projekt angekommen. 

Erkunden, besprechen, vernetzen, Strukturen durchblicken und Köpfe rauchen lassen, die erste Woche des Projektes gestaltet sich arbeitsintensiv und produktiv und es sind auch schon kleine Teilerfolge zu vermerken. Während sich einige fleißige Zompopos in die inhaltliche Kursvorbereitung stürzen und Plakate im Akkord zeichnen, schwärmen die anderen aus und durchsuchen die Stadt nach brauchbaren Materialien, Werkzeugen und anderen Ressourcen für den Kurs. So werden beispielsweise Schaumstoffreste vom Matratzenhersteller zusammengesammelt und kurzerhand zu Lagerungskissen verarbeitet. Mitten in diesem Treiben sieht man hie und da einen Zompopo seinen/ihren Text laut vor sich hinsagen, etwas auf Spanisch übersetzen oder die neu erworbenen Kursmaterialien praktisch an Versuchs-Zompopos auszuprobieren und ihnen den letzten Schliff zu geben bzw. sie an die Gegebenheiten anzupassen. 

Durch die sehr offene und nette Nachbarschaft ergeben sich auch immer wieder unglaubliche Zufälle, die den Verlauf unseres Projektes maßgebend beeinflussen. So kann ein orientierungsloser Zompopo, der durch die falsche Tür in ein fremdes Wohnzimmer stolpert schon mal zufällig auf den sympathischen Rollstuhlfahrer Benjamin treffen. Da Zompopos ja bekanntlich auch schon mal geschwätzig sein können, wird natürlich sofort geplaudert bis der ehemalige Langusten-Taucher preisgibt, dass er selbst gelernt hat Rollstühle zu reparieren und sogar herzustellen, jedoch aufgrund mangelnder Ressourcen sein Handwerk nicht ausüben kann. So wird er kurzerhand zum Start des Projektes eingeladen um uns mit ihm zu vernetzen und ihn als regionalen Experten für die handwerkliche Arbeit mit den Rollstühlen einzubinden. Das Fazit der Geschichte ist, manchmal kann man auch unverhofft und tollpatschig zum Erfolg der Nachhaltigkeit des Projektes beitragen!


Auf den schwierigen ersten Metern bekommen wir immer wieder tatkräftige Unterstützung von Carmen von der Partnerorganisation „Los Pipitos“, welche sich immer wieder unseren Fragen stellt und unsere Ideen mit der notwendigen Nicaragua-Perspektive an die Realität anpasst. In dieser Woche machen wir uns auch auf, um uns das Zentrum der Pipitos im etwas abgelegenen Stadtteil Loma Verde anzusehen. Errichtet wurde dieses behindertengerechte Zentrum von der Organisation „Stichding Samenscolen“ und war ursprünglich als Sonderschule gedacht, kann aber im Moment leider nicht als solche genützt werden. Zurzeit belebt Indira von den Pipitos dieses Zentrum, da sie ein Jahr lang Fortbildungen im Bereich Physiotherapie gemacht hat und im Zentrum frühkindliche Stimulation und therapeutische Maßnahmen anbietet. Sie macht uns mit den liebevoll ausgestatteten Räumlichkeiten bekannt, die aufgrund einiger Herausforderungen im Moment nur sehr spärlich genutzt werden können. Aus diesem Grund steht die Entscheidung fest, den gesamten Kurs im Zentrum zu veranstalten um die vorhandene Infrastruktur zu nützen und den Ort wieder zu beleben. 

Der prall gefüllte Wochenplan hält sich mit Mühe und Not an der Wand und nach und nach können zwar einige Vorbereitungen als „erledigt“ abgehakt werden, neue Aufgaben lassen jedoch nicht lange auf sich warten. Beim Vernetzen und auch beim Herumspazieren in der Stadt ergeben sich neue interessante Bekanntschaften die einige Herausforderungen schmälern und Perspektiven erweitern, jedoch auch neue Arbeitspakete ergeben. Wiederum werden sehr alltägliche Aufgaben, wie beispielsweise die Kontoeröffnung, zum spannenden Unterfangen, das höchst seriöses Auftreten unserer Koordinatorin Lisa erfordert um überhaupt die Chance einer Kontoeröffnung erwägen zu dürfen: Done!

 

Auch die zweite Woche in Puerto Cabezas ist arbeitsintensiv, aber am Ende haben wir viel geschafft, wenn nicht sogar mehr als erwartet. Der erste Termin für ein Zusammentreffen mit den KursteilnehmerInnen steht – am Mittwoch Nachmittag soll es soweit sein.

 

Nachdem am Montag Morgen ein Arbeitsplan für die Woche erstellt wird sowie die Aufgaben verteilt werden, können die Vorbereitungen beginnen. Das Projektteam hilft eifrig zusammen, um alle Vorbereitungen für Mittwoch zu treffen. Neben inhaltlicher, methodischer und didaktischer Vorbereitung auf den Kurs, liegt der Fokus auch in dieser Woche noch stark auf Vernetzungsarbeit, um vorhandene Strukturen und Ressourcen bestmöglich auszunutzen, das sich bereits in der ersten Woche als überaus relevant herausgestellt hat. Dadurch sollen Doppelstrukturen vermieden und Synergien geschaffen werden, die bis dato nicht optimal genutzt werden. So beschließen wir am Mittwoch die erste Stunde des Treffens als offizielle Präsentation des Projekts zu nutzen, um unsere Arbeit auch für Nicht-KursteilnehmerInnen sichtbar zu machen, bevor wir im zweiten Teil  mit dem eigentlichen Kurs starten. In Zweierteams strömen die Zompopos erneut aus, um Organisationen und Institutionen, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzen, zu besuchen und jeweils ein bis zwei VertreterInnen persönlich einzuladen.

 

Kontinuierliche Reflexionen und Diskussionen im Team sowie Abwägen möglicher Kursstrukturen begleiten die tägliche Arbeit. Außerdem werden Plakate und Dekoration vorbereitet, sogar an Luftballons haben wir gedacht, sowie an die Verpflegung des leiblichen Wohls. Carmen beschließt kurzerhand ihre Beziehungen spielen zu lassen und auch das lokale Fernsehen einzuladen – die Aufregung ist groß!

 

Nachdem am Mittwoch Vormittag die letzten Luftballons aufgeblasen und adjustiert werden und sich unser Team in einheitlich gelbe „Zompopos“ verwandelt, kann es losgehen! Wir sind bereit für unsere KursteilnehmerInnen und die Vorfreude ist riesig. Die „Nicas“ lassen jedoch, wie erwartet, ein wenig auf sich warten. Pünktlichkeit zählt hierzulande nicht zur höchsten Priorität und so trudeln die meisten erst mit einer Stunde Verspätung ein. Zu unserer Überraschung treffen mehr VertreterInnen von Organisationen als KursteilnehmerInnen ein. So verändert sich ein wenig das Ziel dieses Treffens und anstatt des Kursbeginns, entwickelt es sich zu einer Mischung aus offizieller Präsentation des Projekts und Vernetzungstreffen.

 

Lilli beginnt mit der Begrüßung der Gäste und stellt unter - im wahrsten Sinne des Wortes - hautnaher Beobachtung des Kamerateams das Projekt vor, während Carmen das Gesagte auf „Miskito“, die Sprache der indigenen Bevölkerung, übersetzt und auch die Rolle der „Pipitos“ präsentiert. Danach stellen sich auch die VertreterInnen der Organisationen vor: die „Buzos“, die sich für verunglückte Langusten-Taucher einsetzen; die regionale NGO „FADCANIC – Fundación para la autonomía y desarrollo de la Costa Atlantica de Nicaragua“, die gerade ein Projekt zur Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen planen; unsere Herbergsstätte - „Casa de Hermanamientos“, welche Jugendprojekte der Gemeinde durchführen; die „David Feller's Healing Art Foundation“, die Hilfsmittelspenden aus Amerika bereitstellt; 3 Ärztinnen aus dem öffentlichen Krankenhaus sowie ein Physiotherapeut und sogar eine Österreicherin, Doris Kroll, die schon seit 27 Jahren in Nicaragua lebt und bis zu ihrer Pensionierung vor 3 Jahren als Leiterin des Länderbüros von „Horizont 3000“ (ehemals ÖAD) in Managua tätig war. 

Es ergibt sich gleich eine Diskussion, um relevante Inhalte des Kurses und es kristallisiert sich schnell heraus, dass großes Interesse an einer Teilnahme am Kurs ihrerseits besteht. Kurzerhand wird beschlossen, dass dies angesichts des MultiplikatorInnenaspekts durchaus Sinn macht und freuen uns über die Motivation der VertreterInnen.

Da durch Kommunikationsschwierigkeiten nicht alle Teilnehmerinnen von den „Pipitos“ anwesend waren, vereinbaren wir für Freitag ein weiteres Treffen, an dem der Kurs mit allen TeilnehmerInnen  gemeinsam beginnen soll.

 

Die Entscheidung, dass neben der Eltern bzw. Betreuungspersonen von Kinder mit Behinderungen (Pipitos) auch VertreterInnen anderer Vereine oder Gruppen sinnvollerweise am Projekt teilnehmen können/sollen, bringt natürlich wieder ein paar neue Aufgaben mit sich, die sogleich erledigt werden. Wieder schwirren Zompopos durch die Stadt (inzwischen schon mit etwas mehr Orientierung und Ziel) und laden die somit neu gewonnenen PartizipantInnen persönlich ein, damit auch wirklich alle Eingeladenen wissen, dass bzw. wann und wo sie eingeladen sind.

Diese Art der Kommunikation scheint recht gut zu funktionieren, da am nächsten Tag, erstaunlich pünktlich mit nur ca. einer dreiviertel Stunde Verspätung, ein gemeinsames Mittagessen mit allen TeilnehmerInnen des Kurses beginnt. Mit tatkräftiger Unterstützung unserer Nachbarschaft und der neu gewonnenen Bekanntschaften genießen wir gemeinsam ein Festmahl und im Anschluss lernen wir erst einmal alle PartizipantInnen kennen. Eine Vorstellungsrunde lockert erst mal auf und bricht das Eis und verdeutlicht uns überdies hinaus auch unsere Gemeinsamkeiten, die uns hier alle in einen Raum zusammenführen. Da das Projekt von einer Expertin für internationale Entwicklung begleitet wird, dreht sich der erste Nachmittag um die gemeinsame Entwicklung der Konditionen des Kurses, um die Partizipation der KursteilnehmerInnen zu ermöglichen/erhöhen und somit die Nachhaltigkeit des Projektes zu gewährleisten. Angepasst an die Gegebenheiten und die Mentalität vor Ort, dauert dies zwar alles etwas länger und geschieht mit einem kleinen Anteil an charmantem Chaos, zu aller Überraschung gelingt es der gesamten Gruppe jedoch, sich auf drei Kurstage in der Woche zu einigen, an denen fast alle PartizipantInnen durchgehend teilnehmen können. Da nach dieser herausfordernden Diskussion die Köpfe aller schon rauchen, wird noch die Hausaufgabe mitgegeben, sich Gedanken über die Herausforderungen und Ziele in Bezug auf die Behinderung im alltäglichen Leben zu machen. Anhand der Ergebnisse dieser Aufgabe wird nächste Woche die Zielfindung mit den TeilnehmerInnen stattfinden und der Kurs mit dem Thema „Posicionamiento  y profilaxis de ulceras y contracturas“ starten. Der Wochenplan für nächste Woche füllt sich somit schon wieder mehr oder weniger „langsam“, aber erst wird das Wochenende zur Erholung und auch für die ein oder andere Tanzeinlage in der Stadt genützt....

 

Hasta luego! 

 

Aniko und Co :)

                       11.1. - 18.1. 2014: Die Ameisen erkunden ihren Bau

Angekommen am Zielort!

In einem Flugzeug für ca. 30 Passagiere landen wir an einem kleinen Flughafen, welcher als Militärflughafen gedacht war. Der „Ankunfts-Terminal“ dient gleichzeitig als Gepäckausgabe, Immigrationsschalter und hat eine Größe von 25m². Unsere Pässe werden kontrolliert und der Grund unseres Aufenthaltes hinterfragt, da kommen auch schon unsere Gepäckstücke. Sie werden mit Zahlen aufgerufen und persönlich ausgegeben. Nach ca. 20 Minuten ist alles erledigt, wir begeben uns nach draußen und warten auf weitere Informationen unserer Kontaktperson, Carmen, die Leiterin des Kooperationsvereins „Los Pipitos“.

Nach der Landung in Puerto Cabezas gibt´s erst mal einen Gebärdenapplaus :)

Nachdem wir uns am falschen Haus befinden schaffen wir es doch noch unsere Unterkunft zu finden und Carmen persönlich kennen zu lernen. Gemeinsam mit der Vermieterin werden uns die wichtigsten Informationen übermittelt. Besondere Bedeutung haben die Eigenheiten der Wasserversorgung in unserem neuen zu Hause namens „Casa Hermanamiento“. Das Casa Hermanamiento wird als Kulturzentrum genutzt, wir mieten den ersten Stock des Hauses. Es befinden sich vier Zimmer, zwei Bäder und ein großer Gemeinschaftsraum auf unserer Etage. Das Mobiliar besteht aus 3 Kästen gefüllt mit Kursbüchern und leeren Zertifikatsformularen. Vorbereitet wie immer werden uns von Carmen Kontaktdaten von einem Matratzenverkäufer übergeben, welcher unsere Ankunft erwartet. 

Für die Lagebesprechung fragen wir die benachbarte „Pulperia“ (Tante-Emma-Laden) um Wasser und Coca Cola. Diese sind so hilfsbereit und überfluten uns mit Informationen über die Dienste welche sie anbieten könnten. Von Mittagessen kochen bis zu Wäsche waschen ist ziemlich alles dabei. Kurzer Hand wird Matthias auf ein Motorrad gesetzt und zur nächsten Tankstelle gebracht um Trinkwasser zu besorgen. Ausgestattet mit Cola und Trinkwasser wird ein Plan für den heutigen Tag geschmiedet. Nach der kurzen Lage-Besprechung machen wir uns gemeinsam auf um das Notwendigste für unsere erste Nacht zu besorgen.

Der Einkauf war erfolgreich. Ausgestattet mit Matratzen, Gasherd, Besteck, Tellern und Gläsern finden wir uns im Casa Hermanamiento ein und starten mit den ersten Arbeiten um diese Räumlichkeiten wohnlich zu gestalten. Nach den ersten Versuchen wird erst ersichtlich was noch alles benötig wird, bzw. welche Gegenstände nützlich sein könnten. Für heute ist es aber genug.

Es entstehen die ersten Eindrücke dieser Stadt. Wir besuchen nach Empfehlung eine kleine Frühstückpension „El Cortijo“ mitten im Zentrum. Das Essen ist köstlich. Gallopinto (Reis mit Bohnen), Eier, reife Kochbananen, Marmelade, Butter und Toast. Wir bummeln durch den Markt, erledigen die Besorgungen im Supermarkt und orientieren uns im Zentrum. Kaum zu glauben, aber die Einkäufe und die Organisation drum herum dauern den ganzen Tag. Am Ende des Tages ist jedoch viel geschafft. Die „Küche“ (Gasherd und Gasflasche) ist betriebsbereit, es gibt das Zubehör um Kleidung zu waschen, die Bäder sind durchgeputzt, die Schlafzimmer sind eingerichtet, Moskitonetzte sind befestigt und genügend Stühle und Tische sind vorhanden. Die Veränderungen sind unglaublich. Nur an unsere Mitbewohner namens „La cucaracha“ müssen wir uns noch gewöhnen. Der eine mehr die andere weniger. 

Nachdem wir nun eingerichtet sind vertiefen sich unsere Eindrücke und Erfahrungen in Puerto Cabezas.

 

Die Stadt hat unterschiedliche Gesichter. Sie liegt direkt an der Atlantikküste, doch den ersten Blick aufs Meer genießen wir erst am 3. Tag. Zufällig erspähen wir in einer Seitenstraße ein Fleckchen, welches nicht dicht bewachsen ist und uns die Aussicht aufs Meer erlaubt. Doch die Schönheit trügt. Bereits jetzt wissen wir, dass vor allem der Strand sehr gefährlich ist. Lonely Planet sagt, dass er ausschließlich mit Einheimischen besucht werden kann. Es gibt extra bewachte Strände, welche sich zum Baden eignen. Einen davon besuchen wir. Der Strand gehört zu einem großen Lokal. Ungefähr 40 Stufen führen zum beigen Sandstrand und der karibischen Schönheit des Atlantiks. Unsere Getränke werden uns nach unten gebracht. Matthias spielt mit einer Kokosnuss Fußball, Aniko hält die Eindruck mit ihrer Spiegelreflex fest, Edi und Ruth albern herum und die anderen betrachten die wunderschöne Natur. In der Ferne sieht man Frachter und am nördlichen Ende unseres Blickfeldes erahnt man einen Hafen.  Im Nachhinein werden wir darauf hingewiesen, dass unser Spaziergang zum Lokal am Strand sehr gefährlich war und wir diesen Weg bitte in Zukunft nur noch mit dem Taxi überwinden sollen. 

Apropos Taxi! Die Stadt Puerto Cabezas mit ihren 48 500 Einwohnern verfügt über kein öffentliches Verkehrsnetz. Diese Aufgabe wird von den unzähligen Taxis übernommen. Die Kosten für eine Fahrt sind abhängig von Distanz und Uhrzeit. Sie betragen entweder 15 oder 20 C$ (Cordoba Oró), umgerechnet sind das je nach aktuellem Wechselkurs 0,50 - 0,70 €. Im Notfall werden jedoch in einem normalen PKW auch 7 Personen transportiert. So genau wird das hier nicht genommen. 

Eine andere Fortbewegungsmöglichkeit stellt für viele das Motorrad dar. Es wird so ziemlich alles damit transportiert. Bierkisten, Körbe, Einkäufe oder einfach Kinder. Wir konnten sogar mal eine Mutter beim Stillen am fahrenden Motorrad beobachten. Auf Helme wird weitgehend verzichtet, was nicht immer ohne Folgen bleibt.

Um die Liste der Transportmöglichkeiten zu vervollständigen sollten auch die Fernbusse erwähnt werden. Anders als in Österreich ist ein Bus in Nicaragua erst dann voll, wenn kein mm² ungenutzt bleibt.  Auch wenn man den Eindruck bekommt es wäre jetzt soweit, ist da doch noch für ein zwei oder 5 Personen Platz. Es wird alles ausgenutzt was man sich nur vorstellen kann. Die Gepäckstücke (von Taschen bis zu Zementsäcken und Wellblech) werden auf das Dach geschnallt und dann heißt es „avanzen“ (Aufrücken). Da bleibt kein Platz mehr für Berührungsängste. Eine weitere Besonderheit ist die Dauer einer Fahrt. Für die 120km entfernte Stadt Waspam, welche eines unserer nächsten Projektorte sein wird, benötigen wir 6h.  Hierzu ist jedoch hervorzuheben, dass Zeit eine andere Rolle spielt im Alltag in Nicaraguas. 

So nun zum Alltag. Anders als zu Hause besitzt diese Stadt keine Wasserversorgung wie wir es aus Österreich gewohnt sind. Am Grundstück des Hauses ist ein Brunnen. Das Wasser aus dem Brunnen wird mittels einer Pumpe, welche ein- und ausgeschaltet werden muss, in einen Speicher aufs Dach befördert. Vor und nach dem Pumpen muss der Wasserhahn am Brunnen aus oder angeschaltet werden. Nun haben diese Aufgabe die ganze Woche unsere netten Nachbarn, auf welche wir später eingehen werden, für uns erledigt. Am Wochenende passierte schließlich woran niemand dachte. Die Pumpe wurde zwar ordnungsgemäß von uns in Betrieb genommen, jedoch transportierte sie nichts. Die Folge: ein Tag und eine Nacht ohne Wasser. Durch den helfenden Hinweis von Ruths Vater und die geschickten Hände unserer männlichen Volontäre konnte die Luft aus der Pumpe gelassen werden, sich mit Wasser füllen und weitertransportieren.

Wenn das Wasser nun am Dach ist heißt das aber noch lange nicht, dass auch alle Wasserleitungen funktionieren. Also um es kurz zu machen. Es gibt 3 Stellen an denen Wasser herauskommt: Beide Duschen und ein Waschbecken.

Nun mal zu den Duschen. Bei beiden Duschen kommt das Wasser aus einem normalen Rohr mit eher bescheidenem Druck. Das bedeutet, es ist kaum zum Duschen geeignet, da es nur einen Strahl hat. Aber dank unseren geschickten männlichen Volontäre, konnten aus Wasserflaschen Duschköpfe gebastelt werden. Der Wasserhahn muss doppelt geschlossen werden, da der Zu- und Abfluss tropft. Unter dieser Leitung ist das Holz unseres Bodens bereits löchrig und morsch. Wir haben es mit einer abgeschnittenen Flasche gelöst, welche nun täglich 2 Mal ausgeleert werden muss.

Nun zu dem, was nicht funktioniert: Die Toiletten. Gespült wird mittels zwei Eimern. Ein großer um Wasser zu sammeln und ein kleiner um etwas in die Toilette schütten zu können. Doch dieses System hat seine Tücken. Matthias hat sich dadurch den Titel des Volontärs des Monats verdient, er konnte nämlich die Verstopfung beheben.
(Wie, erwähnen wir lieber nicht ;-)

Ein weiteres Alltagsthema ist die Müllentsorgung. Grundsätzlich ist zu sagen, dass er einfach überall herumliegt. Die meisten Menschen schmeißen es unbedacht auf die Straße. Bis dato wussten wir, dass viele ihren Müll einfach verbrennen. Also alles. Wirklich alles, vom Zünder bis zur Plastikflasche. Wir waren erfreut als wie hörten, dass hier im Haus nur Papier verbrannt wird und alles andere die Müllabfuhr holt. Juhu, Bewusstsein für Müll. Falsch gedacht. Eine Deutsche, welche bereits seit 22 Jahre hier in der Gegend wohnt, klärte uns auf. Der Müll wird nicht entsorgt wie bei uns. Er wird gesammelt und abgeladen auf brachen Flächen. Sie betonte, dass die bewussten Menschen ihren Müll verbrennen und erzählte uns von ihrem Projekt aus Müll Nützliches herzustellen. Nun trennen wir und bringen den verwendbaren Müll zu ihr.

Zum nächsten Alltagsthema. Essen. Nachdem wir nun eine bestmöglich ausgestattete Küche haben, ist es uns auch wichtig diese zu benutzen. Außerdem ist während dem Erledigen der organisatorischen und inhaltlichen Aufgaben wichtig, dass jeder genug Energie hat. Gut. Wir wollen also Kochen.

 

Erster Punkt: Einkaufen! Nun hat Puerto Cabezas einen riesigen Markt. Es ist ein Erlebnis da durch zu schlendern. Vor allem die Geruchswelt ist mit nichts vergleichbar. Es wird alles verkauft. Beim Betreten des Marktes fühlt man sich kurz unwohl. In den Augen der Verkäufer und Verkäuferinnen kann man deutlich sehen, was sie denken. GRINGOS (Amerikaner) oder CHELLES (Weiße) werden wir genannt. Doch wenn man sich traut weiter zu gehen und einem die Second Hand Kleidung ins Gesicht hängt, ist es unfassbar schön. Schön - nicht im herkömmlichen Sinn. Es hat etwas Uriges, Authentisches und Erdiges. Holzstände sind aneinandergereiht. Die Ware liegt auf Tischen, Sesseln oder hängt von der Decke. Man kann nicht fassen, wieviel sie in einem so winzigen Holzhüttchen unterbekommen. Für Wühlmäuse genau das richtige, vor allem an den Kleidungsständen. Neben den Kleidungsständen stehen Gemüseverkäufer, Shrimps liegen in Bottichen neben Schildkröten (umgedreht am Panzer) und Schmuckständen mit typisch kitschigen Strass in allen Farben. Reizüberflutung nennen es die einen, aber man gewöhnt sich so schnell an diese Vielfalt und beginnt sie zu schätzen. Also schlendern wir durch den Markt und suchen die einzelnen Zutaten für unser Essen. Das dauert, wie sich jeder vorstellen kann. Jeder verkauft etwas Spezielles, das heißt man besucht mehrere Stationen, um alles beieinander zu haben. Aber wie schon erwähnt: Zeit hat eine andere Bedeutung in Nicaragua.

Zweiter Punkt: Kochen! Wir sind derzeit 8 Volontärinnen und Volontäre. Wir haben einen Gasherd mit 2 Platten. Ich glaube, wir müssen nicht mehr dazu sagen.

Dritter Punkt: Essen! Damit haben wir kaum Probleme, außer der Strom fällt aus. Dies passiert mindestens einmal am Tag für mindestens 5 Minuten. Das kann auch mal beim Essen passieren. Mittlerweile sind wir vorbereitet. Kerzen stehen am Tisch bereit.

Vierter Punkt: Abwaschen! Wie früher im Zeltlager gibt es 2 Bottiche, einen mit Waschmittelwasser und einen mit klarem Wasser. Ich glaube nicht, dass wir den österreichischen Hygienebedingungen gerecht werden, aber für uns reicht es. Auch wenn es nicht für die hygienischen Bedingungen spricht, aber es waren bis dato nur die Hälfte aller VollontärInnen krank. ;-) und wir finden das einen tollen Durchschnitt. 

Eine Hundehütte neben den Nasshütten

Jetzt wo wir bei den hygienischen Bedingungen angelangt sind: Das Trinkwasser. Nachdem Matthias am ersten Tag von der Tankstelle mit einem Kanister Trinkwasser zurückgekommen ist, holen wir täglich einen Kanister Wasser für alle. Wir haben mittlerweile die Wassermarke gewechselt, weil unser erstes 110 C$ gekostet hat und das was wir seither verwenden nur 40C$ kostet. Das ist doch ein großer Unterschied. Von einer Partnerorganisation erfuhren wir, dass es einen Wasserfilterhändler gibt. Wir beschaffen uns also einen Wasserfilter um unser Brunnenwasser zu Trinkwasser zu wandeln. Die Beschaffung ist einfach und der Verkäufer hat auch ein Rollstuhldepot, also nutzen wir gleich die Gelegenheit um uns zu Vernetzten. Voller Vorfreude nehmen wir den Tonfilter in Betrieb. Als wir nach gefühlten 2 Stunden endlich Wasser aus dem Filter bekommen, müssen wir unseren Brechreiz beherrschen. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Lilli liest die Bedienungsanleitung durch und stellt fest, dass der Filter so lange durchgewaschen werden muss bis der Tongeschmack im Wasser verschwunden ist. Also gut. Seit 2 Tagen schwemmen wir den Filter durch. Der Erfolg ist mäßig. Optimistisch bleiben.

Genauso langsam wie das Brunnenwasser durch den Tonfilter tropft, funktioniert hier auch die Internetverbindung. Wir haben viele Möglichkeiten in Betracht gezogen. Leider erfolglos.  Wir kamen zum Entschluss, dass das Internet am Handy ausschließlich für Kleinigkeiten zu gebrauchen ist. Leider sind die Wifi-Verbindungen in den Restaurants auch nicht deutlich besser geeignet. Telefonieren über Skype klappt bei allen. Das Reicht uns. Wir alle gewöhnen uns schnell an die Langsamkeit, welche durch ein „Nicht-Erreichbar-Sein“ ganz automatisch entsteht.

Einer der Mitarbeiter des Kulturzentrums Casa Hermanamiento hat uns sehr dabei geholfen, die Möglichkeiten der Internetverbindungen über das Mobilfunknetz herauszufinden. Daher nun zu unserer letzten bedeutenden Erfahrung in der ersten Wochen in Puerto Cabezas. 

DIE MENSCHEN SIND NETT. Bereits ab dem ersten Einkauf in der benachbarten Pulperia (Tante-Emma-Laden) und bis dato begegnen uns die Personen, mit welchen wir mehr zu tun haben, mit größtem Respekt und unterstützen und helfen uns an allen Ecken und Enden. Sie weißen uns auf Kriminalität hin. Sie wollen uns beschützen. Sie erzählen uns, wo wir billig einkaufen können. Sie zeigen uns neue Orte, empfehlen uns Restaurants oder Geschäfte. Sie stellen uns alte Gasflaschen oder Drucker zur Verfügung. Sie begleiten uns bei Bestellungen, um bessere Preise zu bekommen. Sie bestellen für uns speziell neue Ware, nach denen wir gefragt haben. Sie borgen uns Geräte und geben uns Tipps. Sie wollen von uns erfahren und teilen ihre Erfahrungen mit uns. Sie geben Spanischunterricht obwohl sie Mathelehrer sind. Sie erzählen von ihrer Kultur und ihrer Geschichte. Sie kochen für uns, zeigen uns Delikatessen und verbringen Zeit mit uns. Sie unterstützen uns bei der Umsetzung unseres Projektes. Nichts ist unmöglich. Es ist beeindruckend, welch Reichtum in der Mentalität dieser Menschen besteht. 

Wir hoffen Euer Interesse mit diesen Eindrücken geweckt zu haben. Ab nächster Woche startet unser Projekt. Wir sind uns sicher, dass die Erfahrungen während des Projektes noch viel spannender werden als die von unserem Ankommen.

 

Hasta Luego!


Eure Ute

5.1.2015: Projektstart in Nicaragua


VAMOS VAMOOOS! Seit 05.01.2015 ist unser Team in Nicaragua am Ackern und Gackern, Rumtüffteln und Spanisch büffeln, am Reis mit Bohnen essen und Rollstühle vermessen, am Kurse leiten und gute Stimmung verbreiten. Hier sind die ersten Fotos in unserer Arbeitsmontur. Allerliebste Grüße aus dem Schwitzhütten-Nicaragua von euren gelben Ameiserln. Muchos saludos desde Nicaragua, de todos sus zompopitos amarillos!


Ein besonderer Dank gilt unserem größtem finanziellen Unterstützer, dem Land Steiermark!